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Psychische Belastungen unterschiedlich bei jung und alt

Die Corona-Pandemie hat weiterhin den stärksten Einfluss auf die psychische Gesundheit der Deutschen. 97 % der Psychiater*innen und Psychotherapeut*innen berichten dies. Davon sind vor allem Familien und 18- bis 30-Jährige betroffen. Doch auch die Inflation und gestiegene Lebenshaltungskosten belasten nach Ansicht von 82 % die Psyche der Bundesbürger*innen. Dies sind Ergebnisse der Studie „Psychische Gesundheit in der Krise“ der Pronova BKK, für die im Januar und Februar 2023 insgesamt 150 Psychiater*innen und Psychotherapeut*innen befragt wurden.

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Eine Person berührt eine virtuelle Bewertungsskala mit verschiedenen Emoticons, von einem unzufriedenen roten Gesicht bis zu einem sehr zufriedenen grünen.
Foto: © stock.adobe.com/vegefox.com

Die Inflation und die Belastungen aufgrund gestiegener Lebenshaltungskosten betrafen nach Ansicht von 38 % der Expert*innen eher die 30- bis 49-Jährigen, für die 18- bis 30-Jährigen sagen es dagegen nur 9 %. Auch Männer leiden stärker unter der Inflation und gestiegenen Preisen (41 %). Bei Frauen hat zwar die Inflation derzeit auch die größten Auswirkungen auf die Psyche (36 %), im Vergleich leiden sie hingegen stärker als die Männer unter der Pandemie und dem Ukrainekrieg.

Den Ukrainekrieg sehen 77 % der befragten Fachärzt*innen und Therapeut*innen als Auslöser für psychologische Probleme bei den Menschen. Nur die Klimakrise hat mit 32 % der Expert*innen eher wenig Einfluss auf das Seelenleben der Menschen. Hier besteht jedoch eine Ausnahme: die 18- bis 30-Jährigen. 23 % geben an, dass diese Altersgruppe die Sorge um das Klima quält. Kinder und Jugendliche sehen nur 6 % der Befragten betroffen, die psychischen Beschwerden der Generation 50Plus bringt niemand mit der Klimakrise in Verbindung. Psychische Probleme der über 50-Jährigen werden hingegen häufiger als bei Jüngeren vom Ukraine-Krieg ausgelöst – 15 % der Expert*innen geben das an, für die unter 30-Jährigen nur 3 %.

Junge Erwachsene besonders von psychologischen Beschwerden betroffen

Unterschiedliche Patient*innengruppen sind verschieden stark von den Krisen betroffen: Die 18- bis 30-Jährigen leiden nicht nur überdurchschnittlich stark unter der Klimakrise, sie sind auch insgesamt besonders stark von psychischen Problemen betroffen. 80 % der Psychiater*innen und Psychotherapeut*innen bestätigen, dass die Beschwerden in dieser Altersgruppe aufgrund der Corona-Pandemie und nachfolgender Krisen mehr geworden sind. 74 % sagen das von den 30- bis 49-Jährigen, 63 von den über 50-Jährigen und 41 % von Kindern.

Auch die Corona-Krise betrifft von allen Altersgruppen besonders stark die jungen Erwachsenen unter 30 Jahren. 44 % der Befragten geben dies an. Am zweithäufigsten leiden Kinder und Jugendliche (31 %), seltener (23 %) die über 50-Jährigen.

Krisen-Folgen besonders für Familien spürbar

Besonders stark haben die Pandemie und nachfolgende Krisen auf die psychische Gesundheit der Familien eingewirkt. 87 % der Psychiater*innen und Psychotherapeut*innen bescheinigen dies. Bei Ehepaaren ohne Kinder gehen 58 % und damit 29 Prozentpunkte weniger von psychischen Problemen aufgrund der Krisen aus.

„Lockdowns, Homeoffice und Homeschooling haben die Nerven in Familien oft überreizt. Zwar ist die Pandemie fast zu Ende, doch Nachwirkungen bleiben erhalten”, sagt Dr. med. Sabine Köhler, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie. „Bei bestehenden Patient*innen hat die Corona-Krise viele Symptome verstärkt – allen voran Überforderung im Familienleben und bei der Kindererziehung, aber auch Ängste.“ 95 % der Befragten sagen, Patient*innen die schon vor 2020 in Behandlung waren, litten seitdem stärker unter psychischen Problemen in Folge einer Überforderung. Auch Ängste (93 %), Erschöpfung (92 %) und familiäre Probleme (90 %) haben bei ihnen zugenommen. Neue Patient*innen kamen bei 91 % der Befragten mit Überforderung im Familienleben oder familiären Problemen in die Praxis oder Klinik.

Familiäre Probleme wie etwa Beziehungsprobleme, Ehekrisen oder gar häusliche Gewalt erreichten im zweiten Corona-Jahr 2021 ihren Höhepunkt: 75 % der Psychiater*innen und Psychotherapeut*innen gaben dies an – 2020 und 2022 waren es knapp über 50 %. 63 % diagnostizierten im zweiten Corona-Jahr auch häufiger Reizbarkeit, Wut und Zorn.

Über die Studie

Für die Studie „Psychische Gesundheit in der Krise 2023“ wurden im Januar und Februar 2023 bundesweit 150 Personen online befragt, darunter 50 Klinikpsychiater*innen, 50 niedergelassene Psychiater*innen und 50 Psychotherapeut*innen.

Zur Studie „Psychische Gesundheit in der Krise 2023″

Quelle: pronovia

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