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AU-Bescheinigungen online

Arbeitnehmer können sich jetzt auch ohne Arztbesuch durch eine Onlineanforderung krankschreiben lassen. Bei dem Anruf wird der „Patient“ online nach seinen Beschwerden und Symptomen befragt. Ergeben sich keine Anhaltspunkte für eine schwerwiegende Erkrankung, so wird eine Bescheinigung ausgestellt und dem Anrufer per E-Mail oder per Fax zugesandt. Natürlich gegen Zahlung einer entsprechenden Gebühr. In Zweifelsfällen wird der Anrufer mit einem Arzt verbunden, der eine genauere Abklärung der Beschwerden vornimmt. Dieser ist es auch, der „offiziell“ die Bescheinigung ausstellt.

Dass ein solches Verfahren überhaupt möglich ist, hängt damit zusammen, dass den Ärzten eine Behandlung im Rahmen von Video- oder Telefonkontakten ermöglicht werden sollte. Insbesondere im ländlichen Raum herrscht ja teilweise akuter Ärztemangel und der Gesetzgeber wollte damit zu einer Entlastung der Ärzte und einer besseren Versorgung der Patienten beitragen.

Damit, dass sich clevere Geschäftsleute auf diese Weise mit einem neuen „Service“ etablieren würden, hatte wohl niemand gerechnet. Das Problem besteht darin, dass dieses Angebot durchaus legal und eine entsprechende Bescheinigung des Tele-Arztes daher für den Arbeitgeber bindend ist.

Verständlich, wenn beim Arbeitgeber Zweifel an der tatsächlichen Arbeitsunfähigkeit aufkommen, wenn dieser Weg vom Beschäftigten gewählt wird. Natürlich kann es im Einzelfall durchaus sinnvoll sein, um lange Wartezeiten beim Hausarzt zum vermeiden, der einem bei einer kräftigen Erkältung ja auch nicht wirklich helfen kann. Medikamente werden in solchen „Bagatellfällen“ von den Krankenkassen ohnehin nicht übernommen, so dass der Arztbesuch für den Beschäftigten keinen Mehrwert erbringt. Einziger Unterschied: Die Krankschreibung vom Hausarzt kostet den Patienten kein Geld. Andererseits ist das Honorar des Tele-Arztes auch nicht besonders hoch.

Was kann der Arbeitgeber tun? Theoretisch könnte er Kontakt mit der Krankenkasse aufnehmen und seine Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit kundtun. Die Kasse kann dann den medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) mit einer Begutachtung beauftragen. Da die Krankschreibung des Tele-Arztes aber ohnehin nur für wenige Tage erfolgt, dürfte sie in der Regel schon abgelaufen sein, bevor der MDK rein organisatorisch überhaupt tätig werden kann.

Alternativ könnte ein Gespräch mit dem Beschäftigten geführt werden. Natürlich nur, wenn tatsächlich Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit bestehen. Denn, wie schon ausgeführt, kann die Nutzung des Tele-Arztes ja durchaus Sinn machen. Also eine gewisse Gradwanderung. Machen Sie dem Beschäftigten deutlich, was Sie von dieser Art der Krankschreibung halten, wird er es sich im Zweifel beim nächsten Mal sicher überlegen, ob er nicht doch lieber zu seinem Hausarzt gehen sollte. Wobei geschickte Simulanten auch dort in den meisten Fällen ohne größere Probleme eine Krankschreibung für einige Tage erhalten können. Aber es ist etwas schwieriger und die Hemmschwelle vielleicht ein wenig höher.

So funktioniert die Krankschreibung am Telefon

Zunächst ist die Nutzung auf Erkältungskrankheiten und Regelbeschwerden beschränkt. Der Nutzer wählt online aus, worum es sich handelt und beantwortet einen vorgefertigten Fragebogen. Damit soll das Vorliegen einer schwerwiegenden Erkrankung ausgeschlossen werden. In Zweifelsfällen wird der Kontakt zum Arzt hergestellt. Ansonsten findet kein direkter Kontakt statt.

Danach wird die Bezahlung vorgenommen (als PDF online versandt für 9 Euro, bei Postversand kommen 5 Euro hinzu). Das ist alles. Die Krankschreibung wird ausgestellt und dem Nutzer wie bestellt übermittelt.

 

Quelle: LOHN+GEHALT, bearbeitet durch Jürgen Heidenreich
Foto: Photographee.eu/Fotolia

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