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Aktualisiertes Anwendungsschreiben der Finanzverwaltung zur steuerlichen Behandlung von häuslichen Arbeitszimmern

Aufgrund der in den letzten Jahren ergangenen Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs hat die Finanzverwaltung ihr Anwendungsschreiben aus dem Jahre 2011 mit Schreiben vom 6. Oktober 2017 aktualisiert.

Ein häusliches Arbeitszimmer ist ein Raum, der seiner Lage, Funktion und Ausstattung nach in die häusliche Sphäre eines Steuerpflichtigen eingebunden ist und dabei vorwiegend der Erledigung gedanklicher, schriftlicher, verwaltungstechnischer oder organisatorischer Arbeiten dient. Es muss sich um einen abgeschlossenen und abgetrennten Raum handeln.

Kosten für ein außerhäusliches Arbeitszimmer sind voll als Betriebsausgaben abzugsfähig. Hingegen sind die Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer grundsätzlich nicht abzugsfähig, so § 4 Abs. 5 Nr. 6b EStG. Dies gilt nach § 9 Abs. 5 EStG auch für den Werbungskostenabzug.

Das Abzugsverbot gilt jedoch nicht, wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit bildet. In diesem Fall ist ein unbegrenzter Abzug zulässig. Der Tätigkeitsmittelpunkt befindet sich regelmäßig dort, wo die für das Berufsbild wesentlich prägenden Handlungen und Leistungen erbracht werden.

Liegt der Tätigkeitsmittelpunkt außerhalb des Arbeitszimmers, kann zumindest ein auf maximal 1.250 Euro begrenzter Abzug möglich sein. In diesem Fall darf für die jeweilige Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung stehen. Ein "anderer Arbeitsplatz" ist jeder Arbeitsplatz, der zur Erledigung büromäßiger Arbeiten geeignet ist und den der Erwerbstätige in dem konkret erforderlichen Umfang und in der konkret erforderlichen Art und Weise tatsächlich nutzen kann. Der Betrag von 1.250 EUR ist allerdings kein Pauschbetrag, sondern ein Höchstbetrag. Die Raumkosten müssen daher tatsächlich entstanden sein.

Auf folgende Aussagen des neuen BMF-Schreiben wird besonders hingewiesen:

  • Bildet das häusliche Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung, sind die Aufwendungen auch dann in voller Höhe als Werbungskosten zu berücksichtigen, wenn ein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht.
  • Bei der gemeinsamen Nutzung eines häuslichen Arbeitszimmers durch mehrere Personen ist der Höchstbetrag von 1.250 € personenbezogen anzuwenden. Daher kann jeder Steuerzahler (z. B. jeder Ehegatte) bei Nichtvorhandensein eines anderen Arbeitsplatzes seine Aufwendungen bis zum Höchstbetrag von 1250 € steuerlich geltend machen.
  • Bei der Nutzung mehrerer häuslicher Arbeitszimmer in verschiedenen Haushalten kann der Höchstbetrag von 1.250 € wegen Nichtvorhandenseins eines anderen Arbeitsplatzes nur einmal in Anspruch genommen werden. Ein anderer Arbeitsplatz steht übrigens nicht zur Verfügung, wenn dieser wegen Gesundheitsgefahr nicht nutzbar ist oder ein Poolarbeitsplatz zur Erledigung der Arbeiten nicht in dem erforderlichen Umfang genutzt werden kann.
  • Wird ein häusliches Arbeitszimmer im Rahmen mehrerer Einkunftsarten genutzt, ist der Höchstbetrag von 1250 € nicht nach den zeitlichen Nutzungsanteilen in Teilhöchstbeträge aufzuteilen. Vielmehr kann dieser Höchstbetrag durch die dem Grunde nach abzugsfähigen Aufwendungen in voller Höhe ausgeschöpft werden. Lediglich die Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer sind zeitanteilig aufzuteilen und den verschiedenen Einkunftsarten zuzuordnen.
  • Aufwendungen für einen Raum, der zu einem nicht unerheblichen Teil auch privat genutzt wird (Stichwort Arbeitsecke) können insgesamt nicht als Werbungskosten abgezogen werden. Anteilige Aufwendungen für Küche, Bad, Flur können auch dann nicht geltend gemacht werden, wenn Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer zu berücksichtigen sind.
  • Die auf das häusliche Arbeitszimmer entfallenden Aufwendungen sind grundsätzlich nach dem Verhältnis der Fläche des Arbeitszimmers zur Wohnfläche (einschließlich Arbeitszimmer) aufzuteilen. Auf die Gesamtfläche aller Räume des Gebäudes ist abzustellen, wenn Nebenräume (sog. Zubehörräume) beruflich genutzt werden.
  • Die Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer können in Zeiten der Nichtbeschäftigung (z.B. Arbeitslosigkeit, Mutterschutz, Elternzeit) steuerlich berücksichtigt werden, wenn und soweit ein Abzug auch unter den zu erwartenden Umständen der späteren beruflichen Tätigkeit möglich ist.

Praxishinweis: Mit dem neuen BMF-Schreiben hat die Finanzverwaltung aktuelle Rechtsprechung zum häuslichen Arbeitszimmer eingearbeitet.

alga-Competence-Center, RA Daniela Karbe-Geßler

 

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