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Spieglein, Spieglein im Büro – wie gut ist das Klima hier wirklich?

Mit jeder Stellenausschreibung heißt es: „Es begann einmal …“. Wie das Märchen vom Traummitarbeiter oder vom perfekten Job wird, zeigt sich erst mit der Zeit. Im digitalen Zeitalter scheint es im Netz noch verlockendere Versprechen zu geben, als das Papier geduldig ertragen durfte. Marketing ist nicht nur im Zuge des Fachkräftemangels im Recruiting angekommen – die Frage ist, was nach dem „Job-Matching“ kommt. Wer glaubt im Anbahnungsprozess nicht gerne vollmundigen Versprechen, lässt sich bereitwillig ein auf traumhafte Szenarien? Das Balzen gehört zum Spiel – wie in jeder guten oder nicht so guten Beziehung – aber nur der Arbeitsalltag kann zeigen, was letztlich wirklich Sache ist und wie gut und dauerhaft die Bindung gelingt. Das ist etwas, das man nicht nur spürt, sondern auch sieht, und es äußert sich in Bereichen, die erst einmal nur nach Kleinigkeiten klingen. Doch ein bewusster Rundgang und ein genaues Hinsehen und Hinhören verraten mehr, als man manchmal denkt – und das auf beiden Seiten.

 

Willkommen zur Show! 

Einen ersten guten Eindruck kann man nur einmal machen. Von Arbeitgeberseite aus beginnt das schon mit hinreichenden Beschreibungen zur Auffindbarkeit des Unternehmens für das Vorstellungsgespräch, sollte diese Tücken aufweisen. Beginnt der „Eignungstest“ schon vor der Tür, sollte man selbst hinterfragen, ob man bereits an der allgemeinen Lebensfähigkeit des Bewerbers zweifelt – denn eine Einladung ist schließlich eine Einladung. Nicht jedes Unternehmen kann gebäudetechnisch etwas für sein Entree. Aber so ein bisschen „Business-Feng-Shui“ für gute Energie schadet dem ganzen Erscheinungsbild nicht. Je nach Einflussgrad darauf sollten im Eingangsbereich Mülleimer und Raucherplätze vielleicht nicht allzu präsent sein, wirklich einladend wirkt das nicht. Wenn Mitarbeiter wichtige Belange – wenn auch privat – im Freien vor der Tür besprechen müssen, erscheint das unter Umständen erst einmal befremdlich. Neue Kollegen will man auf diese Weise eigentlich vorab so nicht kennenlernen. Es mag auch sein, dass das eine oder andere Bewerbungsverfahren dazu geeignet ist, den Tagesablauf der Vorstellungsrunden leicht nach hinten zu verzögern. Das zeugt weder von Wertschätzung noch von guter Planung. Sind Sie als künftiger Arbeitgeber (und Vorbild) kurzfristig noch in einem wichtigen Termin gefangen oder geben Sie vor, es zu sein, überprüfen Sie, ob man es Ihnen wirklich abkaufen oder verzeihen mag. Gehört es zu Ihrem Repertoire, bei Neuankömmlingen „pseudo-busy“ zu spielen, nimmt man Sie später vielleicht auch nicht mehr ernst, wenn Sie immer wieder ein unnötiges Schauspiel abziehen.

 

Tatort Schreibtisch 

Die meisten von uns verbringen tatsächlich einen Großteil der wachen und bewussten Zeit des Lebens mit Arbeiten. Daher ist es wichtig, sich nicht nur im Unternehmen wohlzufühlen, sondern auch an seinem Arbeitsplatz als solchem. Das ist vielleicht nicht unbedingt etwas, worauf alle Bewerber explizit achten, wenn sie sich persönlich vorstellen, vor allem für die langfristige Bindung ist es jedoch sehr wichtig. Nicht jeder benötigt tatsächlich ein separates Büro, aber letztlich auf jeden Fall einen Ort, wo er schalten, walten und sich entfalten kann. Entscheidet man sich für große und weite Gemeinschaftsbüros – wie es schon länger der Fall und Mode ist –, sollte man darauf achten, dass diese mehr Charme haben als Einkaufshallen. Ein allzu cleanes Design wirkt steril, kalt und transportiert nichts – außer vielleicht das unterbewusste Bedürfnis, mehr zu heizen. Wenn man sich im Büro wohlfühlt, ist man erwiesenermaßen glücklicher und arbeitet besser. Deshalb ist es auch wichtig, dass ein bestimmter Spielraum besteht, sich einzurichten. Da allzu viel Sitzen nicht gesund ist, gewinnt der höhenverstellbare Schreibtisch immer mehr an Bedeutung: Er unterstützt nicht nur die Durchblutung, sondern reduziert nachweislich mögliche Rückenleiden. Denn was nützen die schönsten Wellness-Angebote oder Massagemöglichkeiten im Betrieb, wenn andere Faktoren sie geradezu zunichtemachen? Wie der Arbeitsplatz gestaltet ist, sagt nicht nur etwas über den Arbeitgeber aus, sondern auch über den Arbeitnehmer. Das Thema Ordnung ist hier gar nicht von so großer Bedeutung, sondern die persönliche Note durch Gegenstände. Umso funktionaler der Schreibtisch genutzt wird, desto geringer ist die Verbundenheit mit der Tätigkeit und dem Unternehmen. Eine helle, tageslichtweiße Beleuchtung sollte nicht fehlen. Sie schafft ein produktives Grundlicht und kann durch individuelle Leuchten ergänzt werden. Die Versorgung mit Licht wirkt sich allgemein auf das Wohlbefinden aus und sorgt dadurch für gute Stimmung. Der Arbeitsplatz sollte also nicht nur ein Ort sein, den man täglich aus Verpflichtung besucht, sondern ein Ort, an den man gerne zurückkehrt, um seinen Job bestmöglich und gerne zu verrichten. Einen solchen Beitrag kann der Arbeitgeber gerne auch für das Homeoffice leisten, angefangen damit, dass der Arbeitsschutz im Sinne von angemessenen Bedingungen für Tisch und Stuhl nicht an der Haustüre abgegeben wird – denn oft wird beim Equipment nur an Technik gedacht.

 

Von Pausenfüllern zu Büroflüchtlingen

Es ist von jeher ein offenes Geheimnis: Wer wissen will, was sein Büro bewegt, postiert sich an der Kaffeemaschine. Dort fand bisher in den meisten Unternehmen ein enorm wichtiger Austausch an Informationen statt – Teetrinker sollte man allerdings davon nicht ausschließen. Wer den Kaffeekonsum als kritisch ansieht, könnte vielleicht darüber nachdenken, die Gesundheit zu fördern und einen Obstkorb einzuführen. Nicht jedem wird es möglich sein, eine komplette Küche zu installieren. Die notwendigen Utensilien für einen geordneten und hygienis

hygienischen Verzehr von Speisen und Getränken sollte man auch bereitstellen. Was aber passiert nun mit den durch die Corona-Homeoffice-Welle Gestrandeten? Wer in New-Work-Kategorien denkt, sollte neben dem Online-Betriebssport auch an andere virtuelle Get-togethers denken. Statt „alle Jahre wieder“ könnte es heißen: „Dieses Jahr mal anders.“ Es spricht nichts gegen ein Weihnachts-Online-Konzert mit kollektiver Plätzchenpause – Gemeinschaft ist da, wo sie gelebt und gefeiert wird.

 

Was eben auch mal „Not tut“

An der „Notdurft“ zu sparen, ist dann eher ein Armutszeugnis; an jedes „stille Örtchen“ gehören ausreichend Papier, Eimer und weitere Hygieneartikel. Ein anderer sensibler Bereich ist die „stille Post“: Fangen die Mitarbeiter während der Arbeitszeit an, untereinander private Messenger-Nachrichten zu verschicken, hat man bei der Technik und Software vielleicht doch am falschen Ende gespart und befördert so selbst leicht die Lästerei unter Kollegen. Sorgen Sie für gute Kommunikation: Mit einer soliden Firewall kann man dafür auch auf Freeware zugreifen, die noch mehr kann als chatten. Business-Enterprise-Lösungen ermöglichen es, Projekte und Prozesse nachvollziehbar zu machen und die Mail-Flut zu reduzieren. Man muss eben nicht alles technisieren, die persönliche Ansprache bleibt wichtig. Das bedeutet aber nicht, dass man alles durch das Büro ruft – vor allem auch keine Hinweise auf Fehler, außer es ist Gefahr im Verzug. „Überfallkommandos“ am Schreibtisch sollten ebenso nicht die Regel sein, sondern wohlüberlegt – klar kann man nicht für alles Wochen im Voraus einen Termin vereinbaren. Ebenso sollte man verhindern, dass „dicke Luft“ entsteht. Das betrifft nicht nur die klassische Frischluftzufuhr, die schon in Klassenzimmern ein heiß diskutiertes Thema war. Dass es verbal mal hoch hergeht, kann immer passieren, wenn es denn nicht zur Regel wird. Und nur noch E-Mail-Verkehr ist auch keine Lösung. Was längst verrutscht ist, fängt auch keine Teambuilding-Maßnahme schnell noch auf, und so eine „Storming-Phase“ ist eine Findungszeit und kein Dauerzustand. Immer bei Wind und Wetter zur Pause raus, auch so ganz ohne „Bürohund“? Mit wehenden Fahnen ins Homeoffice, als sei es das Wochenende oder der Urlaub? Nicht jedes Fluchtverhalten von Mitarbeitern hat mit dem Büroalltag oder der Arbeit zu tun. Der eindeutige Wunsch des Arbeitnehmers, der Arbeitsstätte schnell und regelmäßig zu entkommen, wird aber mit großer Wahrscheinlichkeit Effekte auf die Arbeitsleistung und das Miteinander haben. Ein niedriges Mitarbeiter-Engagement erzeugt höchstens Dienst nach Plan, und mangelnde Identifikation hat noch nie zu Höchstleistungen geführt. Das sollte man nicht einfach nur als eigenbrötlerische Kleinigkeit abtun, sondern auch durchaus hinterfragen und besprechen.

 

Am Anfang – und Ende – war das Wort 

Zu Beginn in der Jobofferte vieles vollmundig versprochen und dann alles vergessen? Klar sollten Stellenprofile auch dynamisch sein, und umso kleiner das Unternehmen, desto agiler muss es agieren können. Trotzdem reagiert der Mensch auf nicht gehaltene Versprechen empfindlich und darf entsprechend abgeholt und nicht einfach vor wirtschaftlich bedingte Tatsachen gestellt werden. Im Umgang mit Krisensituationen zeigt sich – wie in jeder anderen Beziehung auch – was diese wert ist. Bei Ihnen rollen regelmäßig Köpfe? Sie „fackeln“ Ihre Krisen im Support ab? Wenn man verbal gesehen schon den Krieg sät, sollte man gründlich abwägen, ob man diesen Kampf auch intern gewinnen kann und ob sich das lohnt. Genauso schädlich wie eine herabstufende Kommunikation durch „Verniedlichungen“ der Person sind Nähe-Distanz-Spiele aller Art. Wer seine Grußformel gegenüber seinen Angestellten von Mail zu Mail je nach momentaner Wertschätzungsstufe des Tages anpasst, muss ein sehr anstrengendes Leben als Führungskraft führen – durch die wachsende Corona-Homeoffice-Distanz mit steigender Tendenz. Nachvollziehbare Feedbackgespräche in regelmäßigen Abständen sind in vielen Unternehmen etabliert, sollten aber durch den Kommunikationsalltag nicht unterwandert werden und ungute Gefühle heraufbeschwören, die noch nicht wirklich ausgesprochen sind. Generell empfiehlt es sich, Dinge offen und ehrlich zu thematisieren und Sprache und Ansprache positiv einzusetzen. Kritik muss dabei nicht im amerikanischen Stil als Lob verpackt werden. Bindung beginnt tatsächlich auch im Sprachgebrauch – mit einem „verordneten Wir“ ist es da lange nicht getan. Da können Sie den Firmennamen tanzen lassen, so oft Sie wollen. Wenn Sie es nicht können, dann lernen Sie als Führungskraft oder Personaler zu loben. Genauso können Sie Ihre Kritik-Kommunikation überprüfen. Es gibt für alles Schulungen, die sind nicht nur den Mitarbeitern vorbehalten. Bevor Sie Ihre Zeit verschwenden, indem Sie Teil der „Ammenmärchen-Community“ werden, die ständig erzählt, dass die Guten immer wechseln, tun Sie etwas dagegen! Denn es geht wirklich nicht immer nur ums Geld. Echte Mitarbeiterbindung sehen, hören und spüren Sie. Das ist dann auch das Resultat dieser vermeintlich „noch so kleinen Dinge“, die Sie bereits im Arbeitsalltag dafür getan haben.

 

Autorin: Dr. Silvija Franjic – Online-Redakteurin + Content Creator

 

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