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Wann endet das „Werkstudentenprivileg“?

Nach einem Rundschreiben der Spitzenverbände der Sozialversicherung endet das Werkstudentenprivileg, für Studenten, die nebenher einer versicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehen, mit Ablauf des Monats, in dem der Studierende vom Gesamtergebnis der Prüfungsleistung offiziell unterrichtet worden ist.

Personen, die während der Dauer ihres Studiums als ordentlich Studierende einer Hochschule oder einer der fachlichen Ausbildung dienenden Schule gegen Arbeitsentgelt beschäftigt sind, unterliegen nicht der Versicherungs- und Beitragspflicht in der gesetzlichen Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung (§ 6 Abs. 1 Nr. 3 Sozialgesetzbuch (SGB) V, § 1 Abs. 2 Satz 1 SGB XI und § 27 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 SGB III). Liegt das regelmäßige beitragspflichtige Arbeitsentgelt über der Geringfügigkeitsgrenze besteht nur Versicherungs- und Beitragspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung.

Arbeitsentgelt übersteigt 450-€-Grenze im Monat nicht

Übersteigt das beitragspflichtige Arbeitsentgelt eines Werkstudenten die monatliche 450-€-Grenze, besteht in der gesetzlichen Rentenversicherung Versicherungspflicht. In diesem Fall hat der Arbeitgeber aus dem beitragspflichtigen Lohn Beiträge in Höhe von 15 % an die Minijob-Zentrale zu bezahlen. Für noch einmal 3,6 % aus dem Lohn muss der Werkstudent aufkommen. Der Student kann aber auf die Rentenversicherungspflicht verzichten. Bei einem Verzicht hat nur der Arbeitgeber Pauschalbeiträge in Höhe von 15 % über die Minijob-Zentrale an die gesetzliche Rentenversicherung zu entrichten. Ist ein Werkstudent privatkrankenversichert, fallen keine Pauschalbeiträge für die gesetzliche Krankenversicherung an. Ist er dagegen freiwillig- oder pflichtversichert in der gesetzlichen Krankenversicherung, sind vom Arbeitgeber alleine aus dem Arbeitsentgelt Pauschalbeiträge in Höhe von 15 % zu entrichten.

Vorläufiges Zeugnis ist ausschlaggebend

Die Hochschulausbildung im Sinne des „Werkstudentenprivilegs“ endet bei regulärer Beendigung des Studiums nach einem Rundschreiben der Spitzenorganisationen in der Sozialversicherung vom 23.11.2016 zur versicherungsrechtlichen Beurteilung von beschäftigten Studenten und Praktikanten mit Ablauf des Monats, in dem der Studierende vom Gesamtergebnis der Prüfleistung offiziell schriftlich unterrichtet worden ist. Ergänzend wird darauf hingewiesen, dass mit der offiziellen schriftlichen Unterrichtung der Zugang des per Briefpost vom Prüfungsamt übermittelten vorläufigen Zeugnisses gemeint ist.

Beispiel:
Eine Studentin, die an einer Fachhochschule Wirtschaftsrecht studiert hat, beendet ihre Ausbildung nach Ende des Sommersemesters 2018. Sie schreibt die Abschlussprüfung im Juni 2018. Neben ihrem Studium arbeitete sie bei einem Steuerberater und erhielt dafür ein monatliches regelmäßiges beitragspflichtiges Arbeitsentgelt von 1.000 €. Am 5.8.2018 bekommt sie vom Prüfungsamt Post. Das Prüfungsamt sendet ihr das vorläufige Zeugnis zu.

Lösung:
Nach dem Besprechungsergebnis der Spitzenorganisationen in der Sozialversicherung endet das sogenannte „Werkstudentenprivileg“ am 31.8.2018. Für die sozialversicherungsrechtliche Beurteilung bedeutet das, dass bis zum 31.8.2018 aus dem regelmäßigen beitragspflichtigen Arbeitsentgelt von monatlich 900 € nur Rentenversicherungsbeiträge zu entrichten sind. Ab 1.9.2018, werden nach dem Ende des sogenannten „Werkstudentenprivileg“, wenn sie weiter beim gleichen Arbeitgeber noch arbeitet, zusätzlich Beiträge zur gesetzlichen Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung fällig. Bis 31.8.2018 gilt der Beitragsgruppenschlüssel 0100 und der Personengruppenschlüssel 106. Ab 1.9.2018 ist der Beitragsgruppenschlüssel 1111 und der Personengruppenschlüssel 101 zu berücksichtigen.

Ausstellung des Zeugnisses erst, wenn ein Antrag wird gestellt wird

Manche Prüfungsämter stellen das Zeugnis erst aus, so die Spitzenorganisationen in der Sozialversicherung vom 8.11.2017 (TOP 5), wenn der Studierende einen Antrag stellt. Entscheidend ist der Zeitpunkt, zu dem das Zeugnis ausgefertigt wurde. Hier wird angenommen, dass der Prüfungsteilnehmer möglichst zeitnah das Zeugnis beantragt. Wird hier der Antrag sehr spät gestellt, endet das Studium spätestens zum Ende des Semesters, in dem die letzte Prüfungsleistung abgelegt wurde.

Quelle: alga-Competence-Center, Ulrich Frank