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Blick in die Glaskugel : Es klappert die Mühle… Blick in die HR-Glaskugel

Thomas EggertMagazin
Lesezeit 4 Min.

Werter Herr Eggert, alle Welt faselt von Digitalisierung – und dies von früh bis spät. Die Realität in den Personalabteilungen deutscher Unternehmen sieht meiner Wahrnehmung nach indes vielfach anders aus. Ich gehe nicht davon aus, dass Sie mir hier widersprechen, oder doch?

Das würde ich mich nie trauen, Ihnen zu widersprechen. Und nach meinem Erleben ist es auch so. Ich glaube, es gibt derzeit fast keine zweite Abteilung, in der noch so viel manuell erledigt und so viel Papier hin und her geschickt wird wie in der Personalabteilung. Dabei habe ich schon von Anbietern gehört, die entsprechende Systeme zur Digitalisierung der Personalarbeit verkaufen und es soll auch Unternehmen geben, die diese bereits nutzen. Und dabei meine ich nicht die, die mal ein so schwieriges Dokument wie eine Gehaltserhöhung automatisch erstellen lassen oder stolz auf eine leere App sind. Und lassen Sie sich dabei nur nicht von den ganzen Präsentationen mit den Buzzword-Überschriften auf den vielen Veranstaltungen blenden – die reden häufig sehr viel über andere, aber selbst …

Wer also mal eine solche, noch seltene Spezies kennenlernen will, sollte lieber zu den Profis gehen und kann sich gerne bei mir melden. Ich kenne ein paar Orte, wo die sich verstecken.

Vielfach wird behauptet, die künstliche Intelligenz (KI) würde in absehbarer Zeit den klassischen Personalsachbearbeiter nicht nur ersetzen, sondern weit übertrumpfen. Schafft KI also ausgerechnet die Menschen im Bereich Human Resources ab?

Zum Glück beschäftigen wir uns hier mit der Personalabteilung, in der in den allermeisten Fällen sehr intelligente Menschen sitzen – so schnell geht das also gar nicht. Ich glaube, da gibt es andere Unternehmensbereiche, die trifft es schneller. Dass KI uns aber viele lästige Verwaltungsaufgaben abnimmt, das wird so sein, und das ist auch gut so. Wir haben zum Beispiel bei uns KI in die digitale Personalakte eingebaut, so dass die lästige Zuordnung von Dokumenten zu Mitarbeitern oder Dokumentenarten die Maschine macht. Sie glauben aber doch nicht, dass eine Maschine künftig in der Lage sein wird, Gesetzestexte oder das Sozialversicherungsbuch zu lesen und vor allem zu verstehen. Da wird jede Maschine aufgeben, denn wenn es um die Interpretation und Auslegung von Vorschriften geht, wird es aus meiner Sicht noch lange dauern. Und wer betreut denn dann die Maschinen, wenn die an so mancher Gesetzgebung verzweifeln? Die Personaler!

Wenn ich richtig rechne, wird es in wenigen Jahren weitaus weniger Menschen in Beschäftigung geben als heute, denn der Roboter wird etliche Tätigkeiten übernehmen, die heute noch von Menschen ausgeführt werden. Immer weniger Personal also – wen soll HR denn dann noch verwalten?

Ich befürchte, es wird dann eine zwei-Klassen-Gesellschaft geben. Roboter, die Roboter betreuen, und Personaler, die Menschen betreuen. Aber irgendjemand muss dem Roboter auch beibringen, wie er andere Roboter betreut und sie müssen auch über neue Jobportale den richtigen Roboter für den richtigen Job finden. Google wird an einer entsprechenden Lösung sicherlich schon arbeiten.

Ich glaube nach wie vor, dass wir noch in vielen Bereichen Menschen im Unternehmen beschäftigen werden. Roboter können uns vielleicht den einen oder anderen Prozess abnehmen, der ständig vorkommt, der klaren Regeln folgt und der nicht viel Interpretation benötigt. Aber ich hoffe, dass ich die Semmel immer noch vom Bäcker bekomme, die Haare ein Friseur schneidet, unsere Kinder von Kindergärtnern betreut und die älteren Menschen von Menschen begleitet werden. Ich glaube und hoffe, dass alles, was mit Menschlichkeit oder Empathie zu tun hat, nicht so schnell ersetzt werden kann. Und manchmal ist doch gerade das menschliche Unvermögen, die Schusseligkeit oder Verstreutheit von Menschen etwas Schönes.

Frage zum Abschluss: Brauchen auch Roboter eine digitale Personalakte? Es wird ja bereits darüber diskutiert, ob arbeitende Roboter Steuern und Sozialabgaben zahlen sollen.

Na ja, wenn die Bots dann mal anfangen, einen Bewerber zu beleidigen oder eine unberechtigte Pause einlegen (weil ihre Hardware nicht läuft), müssen wir ja irgendwo die Abmahnung ablegen, die ein Roboter automatisch erstellt hat. Ich bin dann nur gespannt, wer die Dokumente im Original unterschreibt. Denn so, wie wir zurzeit die Politik im Umgang mit der Digitalisierung erleben, wird das alles erst nach der Eröffnung des BER geregelt. Dies beginnt bei der Infrastruktur und hört bei den Regularien auf. Verlassen Sie heute mal eine deutsche Großstadt, schon haben Sie kein Netz mehr, oder regeln sie in einer digitalen Akte, welche Dokumente wirklich vernichtet werden können – all das ist heute noch ein ungelöstes Problem. Wir haben vorher viele andere Themen zu regeln, bevor wir digitale Personalakten für Roboter wirklich benötigen.

Aber nur by the way – mit unserer Lösung bei BEGIS könnten wir natürlich auch das abbilden.

Das Gesprächsformat

Die „Glaskugelgespräche“ in der historischen Prühmühle bieten einen mutigen Ausblick auf die HR-Welt von morgen. Markus Matt empfängt seine Gäste mit provokanten Fragen rund um die Zukunft von HR und Payroll – mutige Antworten sind erlaubt und erwünscht.

Oberes Bild: Innenansicht einer rustikalen Brauerei mit Holzfässern und einem Sack neben der Brauanlage. Unteres Bild: Außenansicht einer Holzscheune, umgeben von Grün unter einem klaren Himmel.

Ein idealer Ort

Die Prühmühle ist ein einzigartiger Vierseithof im Rottal und steht direkt am Laufe der Rott bei Eggenfelden, unweit von München. Die Prühmühle vereint Wasserkraft, historische Mühle, Säge, Wohnhaus, Stadl, Stall und Seminare an einem Ort, der bereits seit Jahrhunderten Treffpunkt für Menschen ist, die kommen, um zu lernen und Theorie mit Praxis zu verbinden. Sei es früher auf der Walz, um das Müllerhandwerk zu erlernen, oder heute Unternehmer, Führungskräfte und Arbeitnehmer, die sich mit der alten Arbeitswelt und dem digitalen Wandel auseinandersetzen.

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