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Stier meint… Internetrecherche ersetzt keine professionelle Rechtsberatung

Ein grün-weißes "Polisei"-Auto ohne Versicherung zeigt: Internetrecherche ersetzt keine professionelle Rechtsberatung – weder im Verkehrsrecht noch anderswo.

Allgemein
Lesezeit 3 Min.
Polizeifahrzeug grün-weiß – Symbol für Verkehrskontrolle und Fahrzeugversicherung
Foto: © stock.adobe.com/Rimsky

Manchmal liefert das echte Leben Geschichten, bei denen jeder Satiriker neidisch werden dürfte. Diesmal braucht es nicht einmal eine komplizierte Gesetzesänderung oder ein kurioses Gerichtsurteil. Es reichen ein grün-weißes Auto, die Aufschrift „Polisei“ und zwei Geschwister, die ihre Rechtsberatung offenbar dort eingeholt haben, wo heute ohnehin fast alle Antworten zu finden sind: im Internet.

Aber der Reihe nach.

Das grün-weiße „Polisei“-Auto ohne Zulassung

Bundespolizisten staunten im nordrhein-westfälischen Nettetal nicht schlecht, als ihnen ein Fahrzeug entgegenkam, das verdächtig nach einem Polizeiauto vergangener Zeiten aussah. Grün-weiß lackiert, schön auffällig und mit einer kleinen, aber entscheidenden Abweichung. Auf dem Wagen stand nicht „Polizei“, sondern „Polisei“.

Clever. Zumindest orthografisch ausreichend weit entfernt, um nicht sofort als echte Polizei durchzugehen.

Das eigentliche Problem befand sich allerdings weder in der Farbgebung noch beim Buchstaben S. Ein Blick ins Zulassungsregister ergab nämlich: Das Auto war weder zugelassen noch versichert.

„Ich habe im Internet gelesen…“ – Die gefährliche Rechtsquelle

Nun könnte man meinen, spätestens an dieser Stelle folge ein schuldbewusstes „Oh, das wussten wir nicht“. Ganz falsch ist das nicht. Die 27-jährige Fahrerin und ihr 21-jähriger Bruder, dem das Fahrzeug gehörte und der praktischerweise im Auto dahinter fuhr, hatten nämlich eine Erklärung.

Sie hätten im Internet gelesen, dass man mit einem unversicherten Fahrzeug von der Werkstatt nach Hause fahren dürfe.

Da ist er wieder, dieser wunderbare Satz: „Ich habe im Internet gelesen …“

Früher gab es für Rechtsfragen Anwälte. Für Steuerfragen Steuerberater. Für medizinische Fragen Ärzte. Heute gibt es Google, soziale Medien und irgendeinen Beitrag von „Autofreak83″, der ganz sicher weiß, wie die Rechtslage ist.

Das Problem dabei: Das Gesetz interessiert sich erstaunlich wenig dafür, was irgendwo im Internet steht.

Fahren ohne Haftpflichtversicherung: Die rechtlichen Folgen

Wer ein Fahrzeug ohne die vorgeschriebene Haftpflichtversicherung im öffentlichen Straßenverkehr bewegt, begeht eine Straftat. Geldstrafe oder sogar Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr können die Folge sein. Und auch der Halter kann Ärger bekommen, wenn er die Fahrt zulässt.

Damit nicht genug. An dem nicht zugelassenen „Polisei“-Mobil befanden sich auch noch Kennzeichen, die den Eindruck einer ordnungsgemäßen Zulassung erwecken konnten. Also kam der Verdacht des Kennzeichenmissbrauchs gleich noch dazu.

Man könnte sagen: Wenn schon, denn schon.

Die Polizei stellte die Kennzeichen sicher und die Heimfahrt fand anschließend im Begleitfahrzeug statt. Diesmal zugelassen und hoffentlich auch versichert.

Warum Internetrecherche keine professionelle Beratung ersetzt

Ich muss zugeben, ich habe beim Lesen dieser Geschichte geschmunzelt. Nicht wegen der möglichen Straftaten. Die sind alles andere als lustig. Sondern weil sie wunderbar zeigt, wie wir inzwischen mit Informationen umgehen.

Wir haben heute Zugriff auf mehr Wissen als jede Generation vor uns. Innerhalb weniger Sekunden finden wir Antworten auf nahezu jede Frage. Das ist großartig. Aber zwischen einer gefundenen Antwort und einer richtigen Antwort liegt manchmal ein ziemlich weiter Weg.

Und genau das vergessen wir zunehmend. Suchmaschinen und künstliche Intelligenz ist keine Rechtsberatung. Ein Forum ersetzt keinen Fachmann. Und der Satz „Das habe ich im Internet gelesen“ schützt weder vor Strafe noch vor den Folgen einer falschen Entscheidung.

Verantwortung übernimmt das Internet nicht

Eigentlich müsste man das im Jahr 2026 nicht mehr erklären. Aber vielleicht gerade deshalb doch.

Das Internet kann vieles. Nur Verantwortung übernimmt es am Ende nicht. Und wenn Ihnen das nächste Mal jemand erklärt, etwas sei ganz sicher erlaubt, weil er es im Internet gelesen habe, denken Sie einfach an das grün-weiße Auto aus Nettetal. Bei dem stand schließlich auch fast „Polizei“ drauf. Fast.

Markus Stier sitzt auf einem Stuhl und zwischen seinen Beinen sitzt sein schwarzer Labrador Götz.
Markus Stier

Ihr
Markus Stier

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