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Blog „Entgelt & Co.“ : Rentensystem zukunftsfähiger machen – reicht das?

Ich habe in den vergangenen Wochen viel über die Zukunft unserer Rente nachgedacht. Ich sehe immer wieder Personen, die bereits im Ruhestand sind – und trotzdem oft von finanziellen Sorgen geplagt werden.

Lesezeit 3 Min.

Die Deutsche Rentenversicherung zeigt in ihrer DRV-Schrift „Rentenversicherung in Zeitreihen“ auf, wie sich das aktuelle Rentenniveau (1970 bis 2024) entwickelt hat. Man erkennt deutlich, dass das Rentenniveau in den vergangenen Jahrzehnten gesunken ist.

In Deutschland beträgt die durchschnittliche Nettorente gerade einmal rund 1.565 Euro im Monat. Fast jede fünfte Person mit vollen 45 Versicherungsjahren erhält sogar unter 1.200 Euro; das sind Beträge, von denen man kaum leben kann.

Nun verspricht der neue Koalitionsvertrag von Union und SPD einige Reformen, die unser Rentensystem zukunftsfähiger machen sollen. Ich habe mir die wichtigsten Punkte angeschaut – und frage mich: Reicht das, um die Lebenssituation der Rentner wirklich zu verbessern?

Frühstart-Rente: ein Sparplan für Kinder

Ab dem 01.01.2026 soll jedes Kind vom 6. bis zum 18. Lebensjahr, das eine Bildungseinrichtung in Deutschland besucht, pro Monat zehn Euro vom deutschen Staat bekommen. Auf den ersten Blick klingt das nett – doch bei zehn Euro pro Monat summiert sich das in zwölf Schuljahren gerade mal auf 1.440 Euro. Selbst mit vernünftiger Rendite bleibt das insgesamt überschaubar. Ich frage mich, ob wir nicht – statt kleinteilige Sparpläne zu entwickeln – lieber mehr in die gesetzliche Grundrente investieren sollten, damit alle einen soliden Sockel bekommen.

Was bedeutet eigentlich „Rentenniveau“?

Was bedeutet eigentlich „Rentenniveau“?

Das Rentenniveau beschreibt, wie hoch die gesetzliche Rente im Vergleich zum durchschnittlichen Einkommen in Deutschland ist. Genauer gesagt ist es das prozentuale Verhältnis zwischen der sogenannten Standardrente und dem Durchschnittsentgelt aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.
Beschäftigten.

Die Standardrente bekommt – theoretisch – jemand, der 45 Jahre lang in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt und dabei immer das deutsche Durchschnittsentgelt verdient hat. Das Durchschnittsentgelt wiederum ist das durchschnittliche Bruttoeinkommen aller Arbeitnehmer, das jährlich neu berechnet wird.

Ein Beispiel für das Jahr 2024:

Das verfügbare Durchschnittsentgelt liegt bei 39.124 Euro pro Jahr.

Die verfügbare Standardrente beträgt 18.780 Euro jährlich.

Daraus ergibt sich ein Rentenniveau von 48 Prozent.

Wichtig: Das Rentenniveau bezieht sich nicht auf individuelle Renten, sondern ist ein statistischer Wert für das Verhältnis von Renten zu Einkommen. Es zeigt also nicht, wie viel Rente jemand im Vergleich zu seinem letzten Gehalt bekommt. Zudem basiert das Rentenniveau auf sogenannten verfügbaren Einkommen – also den Nettobeträgen vor Steuern, aber nach Abzug der Sozialversicherungsbeiträge.

So hilft das Rentenniveau, einzuschätzen, wie stark die gesetzliche Rente das Einkommen im Alter absichert – und wie viel zusätzliche Vorsorge sinnvoll sein könnte.

Aktivrente: 2.000 Euro steuerfrei hinzuverdienen

Ein Meilenstein ist die Aktivrente: Wer nach Erreichen der Regelaltersgrenze weiterarbeitet, darf künftig bis zu 2.000 Euro pro Monat steuerfrei dazuverdienen. Für viele Senioren, die fit und motiviert sind, ist das sicher eine Erleichterung. Aber es profitieren vor allem jene, die noch eine berufliche Perspektive haben. Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen oder in Pflegeverpflichtungen können diese Option kaum nutzen.

Rentenniveau sichern – aber nur bis 2031

Die Koalition garantiert das gesetzliche Rentenniveau von 48 Prozent des Durchschnittslohns bis 2031 mithilfe von Steuermitteln. Das signalisiert Verlässlichkeit, doch was passiert danach? Eine dauerhafte Absicherung über 2031 hinaus wird nicht versprochen. Für mich wirkt das wie ein befristeter Aufschub – echte langfristige Stabilität sieht anders aus.

Reichen diese Maßnahmen wirklich aus?

Meine Bilanz: Die Aktivrente und das Festschreiben des Rentenniveaus sind Schritte in die richtige Richtung – vor allem der Einkommensanreiz für Ältere kann Fachkräftelücken lindern.

Doch:

  • Wer nicht mehr arbeiten kann, bleibt außen vor.
  • Die Frühstart-Rente ist gut gemeint, aber zu wenig, um im Alter wirklichmehr Spielraum zu bieten.
  • Die mittel- und langfristige Rentensicherung bleibt ungewiss, sobald 2031 erreicht ist.

Angesichts der Armutsgefährdung vieler Rentner wäre ich eher dafür, das Mindestniveau der Grundrente anzuheben oder eine solidarische Mindestrente von z. B. 1.200 Euro netto einzuführen, so wie beim österreichischen Modell, das allen Erwerbstätigen ein existenzsicherndes Niveau garantiert.

Fazit

Ich begrüße die geplanten Anreize zum Weiterarbeiten und die kurzbis mittelfristige Stabilisierung des Rentenniveaus. Doch wir brauchen dringend größere, langfristige Reformen, die alle Rentner wirklich absichern – nicht nur jene, die weiterarbeiten oder clever sparen können. Es bleibt zu hoffen, dass die Politik in den kommenden Legislaturperioden diesen Mut zu umfassenderen Schritten aufbringt.

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