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Betrieb & Familie : GUT FÜR‘S KLIMA: Bello, der Bürohund

Lesezeit 5 Min.

Tina Klein ist glücklich. Ihr Chef hat erlaubt, dass sie ihren Hund Friedel mit ins Büro bringen darf. Die Kollegen, zuvor befragt, hatten ebenfalls nichts dagegen. Also kommt Friedel täglich mit an den Arbeitsplatz von Frau Klein. Gassi gehen in der Mittagspause, wenn es nötig ist auch noch einmal kurz zwischendurch.

Schon nach kurzer Zeit war es spürbar: Das Klima im Büro hatte sich verbessert. Es gab weniger Hektik, die Kollegen waren entspannter. Am meisten profitierte Friedel: Er bekam immer wieder ein paar Streicheleinheiten und nette Worte — nicht nur von Frau Klein.

Mit diesen Erfahrungen sind Frau Klein und ihr Chef nicht allein. Von einem neuen Trend zu sprechen, ist vielleicht noch etwas zu früh, aber gewisse Tendenzen sind durchaus erkennbar. Natürlich eignen sich nicht alle Arbeitsplätze dafür, den Hund mitzubringen. In einem Reinraumlabor oder einem Verarbeitungsbetrieb für Lebensmittel sind Tiere logischerweise tabu. Gleiches gilt, wenn ein Kollege unter einer Hundehaarallergie leiden sollte. Da geht die Gesundheit vor. Aber wo es machbar ist, sollte es ruhig gemacht werden.

Ein kleiner Hund mit weißem Fell und braunem Kopf liegt da und schaut nach oben. Der Hund trägt ein blaues Halsband mit einer roten Marke. Im Hintergrund ist ein verschwommener grauer Text zu sehen.

Eine Umfrage des Interessenverbandes Bundesverband Bürohund e. V. (siehe Kasten) zeigt deutlich, dass die ohnehin meist positiven Erwartungen der Unternehmen nach Einführung der Hundebegleitung sogar noch übertroffen wurden, während negative Befürchtungen sich nicht oder nur in geringerem Maße bestätigten.

Nun würde wohl kaum jemand auf die Ideen kommen, sein Kaninchen, den Papagei oder die zahme Ratte mit ins Büro nehmen zu wollen, bei einem Hund hingegen empfinden die meisten Menschen das als möglich und „normal“. Katzen etwa sind zwar mit knapp 15 Millionen Exemplaren noch weiter verbreitet als Hunde (ca. 9,4 Millionen), trotzdem ist das Interesse daran, das Tier mit ins Büro zu nehmen, kaum ausgeprägt. Warum eigentlich? Sicher hat das zum einen ganz praktische Gründe: Katzen können ohne Probleme längere Zeit allein im Haus bleiben (gehen bei Bedarf auf das Katzenklo) oder haben „Freigang“ durch Katzenklappen oder ähnliche Konstruktionen. Der Hund mag nicht gern allein bleiben, benötigt regelmäßig Auslauf, muss „Gassi gehen“. Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Sicher gibt es Menschen, die Angst vor Hunden haben und sich mit diesen so gar nicht anfreunden können — soll es bei Katzen aber auch geben.

Ein wesentlicher Unterschied bei der Frage, wer mit ins Büro darf und wer nicht, dürfte in der Möglichkeit der Erziehung liegen. Jeder Katzenfreund weiß, dass sich die Stubentiger nicht wirklich erziehen lassen. Sie sind Freigeister und tun nur das, was sie für richtig halten. Hunde hingegen ordnen sich ihrem Menschen unter und können gut erzogen werden — was übrigens auch die Voraussetzung für die Zustimmung zum Bürohund sein sollte.

Die fünf Top-Ergebnisse

Im Mai 2019 wurden 1.340 Unternehmen nach ihren Erfahrungen und Vorstellungen zu Bürohunden befragt. Hier die Top-Five-Ergebnisse:

  • Die Einrichtung von Bürohunden in Unternehmen wurde von 85 Prozent der Befragten mit entsprechenden Erfahrungen als einfach erlebt.
  • Über 90 Prozent der Mitarbeitenden erleben durch Bürohunde eine Verbesserung des Arbeitsklimas und eine bessere persönliche Work-Life-Balance.
  • Über einen wohlerzogenen Bürohund in ihrem Arbeitsumfeld würden sich 85 Prozent der Mitarbeitenden freuen — 49 Prozent würden dafür sogar auf eine Gehaltserhöhung verzichten. • Die Bereitschaft, über einen Arbeitgeberwechsel nachzudenken, liegt bei Mitarbeitenden in Unternehmen mit Bürohund um 41 Prozent niedriger.
  • Schon 20 Prozent der Unternehmen weisen in Stellenanzeigen auf die Möglichkeit hin, einen Bürohund ins Unternehmen zu bringen, sehen dies also als mögliches Auswahlkriterium beim Recruiting an.

Weitere Ergebnisse und Details zur Befragung finden Sie unter http://bv-bürohund.de/buerohund-index-deutschland-2019- ergebnisse/.

Hunde und die menschliche Psyche

Was Hunde für die Psyche von Menschen bewirken können, zeigt sich beispielsweise in Alten- und Pflegeheimen. Schwer demente Personen leben geradezu auf, wenn ein Hund ins Heim kommt und sie ihn mit Streicheleinheiten verwöhnen können. Solche Besuche werden auch mit anderen Tieren gemacht, etwa kleinen Ponys, Mini-Schweinen o. Ä. Allerdings eher als Ausnahme, hier überwiegen die Hunde als Therapeuten ganz deutlich. Katzen tauchen in diesem Zusammenhang so gut wie gar nicht auf.

Eine Hand hält ein kleines, knochenförmiges Leckerli vor einem schlichten weißen Hintergrund mit teilweisem deutschen Text im Hintergrund. Das Leckerli liegt zwischen Daumen und Zeigefinger, die übrigen Finger sind leicht gekrümmt.

Und die Wirkung von Hunden auf die Psyche funktioniert durchaus auch bei „normalen“ Menschen. Berichte zeigen, dass die Anwesenheit eines Bürohundes entspannend auf alle Mitarbeiter wirken. Das Klima untereinander wird freundlicher, Konflikte werden schneller gelöst. Nicht zu vergessen, dass durch die Möglichkeit den Hund mit ins Büro zu nehmen, der eine oder andere überhaupt erst in die Lage versetzt wird, sich ein solches Tier anzuschaffen. Denn einen Hund tagsüber acht oder mehr Stunden allein zu Hause zu lassen, ist keine gute Idee sondern Tierquälerei.

Das Unternehmen profitiert

Ein weiterer wichtiger Faktor: Beim Kampf um die besten Köpfe — mit Blick auf den Fachkräftemangel — können mitunter Kleinigkeiten den Ausschlag für oder gegen ein Unternehmen geben. Die Möglichkeit, einen Hund mit an den Arbeitsplatz zu bringen, kann ein solches Detail sein — interessanterweise auch für Arbeitnehmer, die zurzeit gar keinen Hund haben.

Und alles, was hilft oder helfen kann, die Mitarbeiter gesund und motiviert zu halten, liegt ja auch im unmittelbaren Interesse des Unternehmens. Der Gedanke, dass Mitarbeiter mit Hund am Arbeitsplatz zu abgelenkt sind und in ihrer Arbeitsleistung nachlassen könnten, hat sich nicht bestätigt. Das Gegenteil ist der Fall. So sind die Mitarbeiter beispielsweise nach einem Spaziergang mit dem Hund (Pause) anschließend ausgesprochen motiviert und produktiv. Warum genau das so ist, ist wissenschaftlich noch nicht geklärt.

Tue Gutes und rede darüber. Warum nicht das Unternehmen werbewirksam darstellen und über die Bürohunde informieren. Zumindest für die regionale Presse kann ein solcher Schritt durchaus interessant sein und das Unternehmen ins Gespräch bringen.

Was ist wichtig bei der Einführung von Bürohunden?

An erster Stelle steht die Information der Beschäftigten. Es ist wichtig zu wissen, ob jemand an einer Hundehaarallergie leidet — das muss zwar nicht das Aus für einen Hund im Büro sein, aber es müssten dann entsprechende Maßnahmen getroffen werden, um den betroffenen Mitarbeiter zu schützen.

Sicher müssen nicht alle Mitarbeiter explizit zustimmen, aber die Bereitschaft sollte schon groß genug sein. Sonst werden nur unnötige Spannungen provoziert. Denkbar ist — bei vielen Zweiflern — eine Probezeit. Bei den allgemein guten Erfahrungen könnte sich daraus durchaus eine spätere Zustimmung ergeben.

Klare Regeln helfen dabei, Konflikte zu vermeiden. Wichtig ist auch die Gleichbehandlung. Wird einem Mitarbeiter das Mitbringen seines Tieres erlaubt, müsste es schon gravierende Gründe geben, es einem anderen zu untersagen. Ein solcher Grund könnte beispielsweise die Rasse des Tieres (Kampfhund) sein.

Festgehalten werden muss zudem, unter welchen Bedingungen die Genehmigung widerrufen werden kann. Dies darf nicht willkürlich geschehen, sollte daher an bestimmte — negative — Auffälligkeiten geknüpft werden.

Gibt es im Unternehmen einen Betriebsrat, so sollte dieser natürlich frühzeitig in die Überlegungen einbezogen werden. Sinnvoll wäre dann der Abschluss einer entsprechenden Betriebsvereinbarung. So sind die Regeln fixiert und jedem Betroffenen bekannt.

Ein Mann mit Brille und Schnurrbart, der ein weißes Hemd, eine rote Krawatte und ein schwarzes Jackett trägt. Der Hintergrund ist geteilt, wobei die linke Seite grau und die rechte Seite orange ist. Der Text auf der orangefarbenen Seite lautet: „Jürgen Heidenreich, Fachautor und Fachjournalist. Schwerpunkte: Sozialversicherung und Personalwesen.“

 

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