Banner Online Kompaktkurse für fundiertes Wissen zu neuesten Gesesetzesänderungen und Abrechnungskriterien
Abo

Einführung von SFEC auf einem bestehenden SAP-HCM-System : Warum moderne Cloud-HR-Prozesse ohne tiefes HCM Know-how scheitern können

Die Einführung von SAP SuccessFactors Employee Central (SFEC) gilt für viele Unternehmen als logischer nächster Schritt in Richtung einer modernen, cloudbasierten HR-Landschaft. Standardisierte Prozesse, bessere Benutzeroberflächen und eine stärkere Digitalisierung der Personalarbeit stehen dabei häufig im Vordergrund.

Fokus
Lesezeit 5 Min.

Doch gerade bei Unternehmen, die seit vielen Jahren mit SAP HCM arbeiten, ist die Realität deutlich komplexer. Denn bestehende HCM-Systeme sind in den seltensten Fällen noch reine Standardsysteme. Vielmehr handelt es sich um über Jahre – teilweise Jahrzehnte – gewachsene Systemlandschaften, die individuell auf die Prozesse, Tarifwerke, Organisationsstrukturen und regulatorischen Anforderungen des jeweiligen Unternehmens angepasst wurden.

Damit wird die Einführung von SFEC nicht nur zu einem technischen Integrationsprojekt, sondern zu einem hochsensiblen Transformationsvorhaben mit unmittelbaren Auswirkungen auf Payroll, Compliance und Revisionssicherheit.

Historisch gewachsene Systeme folgen eigenen Regeln

In langjährig betriebenen SAP-HCMSystemen wurden im Laufe der Zeit unzählige Erweiterungen vorgenommen. Kundeneigene Felder ergänzen Standardinfotypen, individuelle Tabellen wurden aufgebaut, eigene Reports entwickelt und komplexe Berechnungslogiken implementiert. Häufig existieren zudem spezifische Prozesse für Tarifregelungen, Zeitwirtschaft, Organisationsmanagement oder Genehmigungsworkflows.

Diese Entwicklungen entstanden nicht zufällig. Sie spiegeln die tatsächlichen Anforderungen der Unternehmen wider und bilden oftmals geschäftskritische Prozesse ab. Genau deshalb liegt die Herausforderung einer SFEC-Einführung nicht darin, lediglich Daten von einem System in ein anderes zu übertragen. Entscheidend ist vielmehr das Verständnis dafür, welche fachliche Bedeutung diese Daten und Prozesse innerhalb des Gesamtsystems besitzen, denn auf diesen historisch gewachsenen Strukturen basiert häufig die gesamte Entgeltabrechnung eines Unternehmens. Fehlerhafte oder unvollständige Datenübernahmen können unmittelbare Auswirkungen auf die korrekte Lohn- und Gehaltsabrechnung haben – und damit nicht nur auf die Mitarbeitenden selbst, sondern auch auf die Meldungen an Krankenkassen, Finanzbehörden oder Sozialversicherungsträger.

Payroll und Compliance lassen keine Fehler zu

Gerade im HR-Umfeld gelten besonders hohe Anforderungen an Nachvollziehbarkeit und Revisionssicherheit. Unternehmen müssen jederzeit dokumentieren können, wer wann welche Änderungen an Personalstammdaten oder Systemeinstellungen vorgenommen hat. Diese Anforderungen spielen nicht nur für interne Revisionen eine Rolle, sondern auch für Wirtschaftsprüfer, Steuerprüfer oder Rentenversicherungsprüfer. In regulierten Branchen können darüber hinaus zusätzliche Anforderungen von Aufsichtsbehörden relevant werden.

Mit der Einführung von SuccessFactors Employee Central verschiebt sich jedoch ein zentraler Grundsatz: Die führende Datenhoheit liegt künftig nicht mehr im SAP-HCM-System, sondern in der Cloud.

Damit verändern sich sämtliche Datenflüsse innerhalb der HR-Systemlandschaft. Stammdaten werden zukünftig in SFEC gepflegt, an SAP HCM repliziert und dort für Payroll-Prozesse weiterverarbeitet. Genau an dieser Stelle beginnt die eigentliche Komplexität.

Denn viele bestehende HCM-Systeme enthalten Funktionen und Logiken, die im Standard von SFEC nicht abgebildet werden. Unternehmen müssen daher im Detail analysieren, welche Informationen weiterhin im SAP-System benötigt werden, welche Daten aus SFEC kommen und wie beide Welten technisch sowie fachlich sauber miteinander verbunden werden können.

Die eigentliche Herausforderung liegt im Detail

In der Praxis zeigt sich schnell, dass Standardprojektpläne vieler Beratungshäuser den SAP-HCM-Anteil solcher Projekte häufig unterschätzen. Während sich die ersten Projektphasen stark auf Employee Central fokussieren, wird die Komplexität der bestehenden HCM-Landschaft oftmals erst später sichtbar.

Bereits die Projektplanung muss zahlreiche zusätzliche Faktoren berücksichtigen. So spielen Abrechnungszeiträume, bestehende HR-Projekte, SAP-Patchstände oder geplante Systemanpassungen eine entscheidende Rolle. Auch technische Randthemen wie Single Sign-on, Azure-AD-Anbindungen oder Penetrationstests beeinflussen die Projektlaufzeit erheblich. Gleichzeitig müssen sogenannte „Frozen Zones“ vor dem Go-Live definiert werden, in denen keine Änderungen an produktiven Personalstammdaten mehr erfolgen dürfen, um die Stabilität der Einführung sicherzustellen.

Besonders kritisch wird es bei der Analyse der bestehenden Stammdaten- und Organisationsstrukturen. Im Organisationsmanagement finden sich häufig historisch gewachsene Strukturen mit unbesetzten Planstellen, inkonsistenten Beziehungen oder veralteten Objekten. Was im laufenden Betrieb oft toleriert wurde, kann bei einer Migration nach oder einer Replikation von SFEC erhebliche Probleme verursachen. Nicht selten muss das Organisationsmanagement deshalb bereits vor Beginn der eigentlichen Einführung bereinigt werden.

Hinzu kommt, dass viele Unternehmen kundeneigene Logiken in ihren Infotypen implementiert haben. Tarifliche Sonderregelungen, individuelle Probezeitberechnungen oder Erweiterungen über User-Exits, Enhancements und kundeneigene Reports sind keine Ausnahme, sondern in gewachsenen HCM-Systemen eher die Regel. Solche Entwicklungen müssen identifiziert, bewertet und in die zukünftige Integrationsarchitektur eingeordnet werden.

Zeitwirtschaft und Payroll erfordern tiefes Fachwissen

Besonders anspruchsvoll wird die Einführung, wenn Zeitwirtschaftsprozesse künftig in SFEC gepflegt werden sollen. Urlaubsdaten, Abwesenheiten oder Zeitkontingente wirken unmittelbar auf die Payroll und die Zeitbewertung im SAP-System.

Dadurch entstehen zahlreiche Abhängigkeiten, die technisch und fachlich berücksichtigt werden müssen. Prüfmechanismen, Zeitbindungsklassen, Kontingentlogiken oder Abrechnungsschemata müssen angepasst werden, damit bestehende Prozesse weiterhin korrekt funktionieren. Selbst kleine Änderungen innerhalb der Zeitwirtschaft können Auswirkungen auf die Entgeltabrechnung haben. Besonders interessant wird es, wenn eine bis dato „integrierte“ Zeitwirtschaft durch SuccessFactors Time Tracking als quasi „externe Zeitwirtschaft“ ersetzt wird. Ggf. erfordert dies „desintegrierende“ Maßnahmen in der Payroll.

Gleichzeitig stellt sich in vielen Projekten die Frage, welche Prozesse überhaupt sinnvoll in SFEC abgebildet werden können. Bestimmte Themen – beispielsweise Mutterschutz oder Elternzeit – verbleiben häufig bewusst im SAP-HCM-System, da dort bereits etablierte und regulatorisch sichere Prozesse existieren. Auch diese Entscheidungen erfordern umfangreiches Fachwissen und Erfahrung aus vergleichbaren Projekten.

Go-Live bedeutet nicht Projektende

Ein weiterer kritischer Punkt wird häufig unterschätzt: Die eigentliche Stabilisierung beginnt oft erst nach dem produktiven Go-Live.

Denn nach der Umstellung müssen Berechtigungskonzepte angepasst, Monitoring-Prozesse aufgebaut und Fehlerprotokolle dauerhaft überwacht werden. Viele fachliche Fehler zeigen sich nicht direkt in SFEC, sondern erst in den SAP-HCM-Logs oder innerhalb der Payroll-Verarbeitung. Ein professionelles Jobmonitoring und saubere Revisionsreports sind deshalb essenziell für den stabilen Betrieb der hybriden Systemlandschaft.

Ebenso wichtig ist die klare Regelung der Datenpflege. Replizierte Stammdaten dürfen nach dem Go-Live häufig nicht mehr direkt im SAP-System verändert werden, da sonst Inkonsistenzen zwischen beiden Systemwelten entstehen können. Auch hierfür müssen technische und organisatorische Konzepte entwickelt werden.

Erfolgsfaktor: Erfahrung mit hybriden HR-Landschaften

Die Einführung von SAP SuccessFactors Employee Central auf einem bestehenden SAP-HCM-System ist deshalb weit mehr als ein klassisches Cloud-Projekt. Sie verbindet moderne HR-Technologien mit hochkritischen Payroll- und Compliance-Prozessen in historisch gewachsenen Systemlandschaften.

Der Projekterfolg hängt dabei entscheidend davon ab, ob ein Beratungspartner nicht nur SFEC versteht, sondern gleichzeitig tiefes Know-how in SAP HCM, Payroll, Zeitwirtschaft und regulatorischen Anforderungen mitbringt.

Nur wenn die bestehenden Systeme ganzheitlich analysiert und sämtliche fachlichen Abhängigkeiten berücksichtigt werden, lassen sich Datenverluste, fehlerhafte Abrechnungen oder Compliance-Risiken vermeiden.

Gerade diese Kombination aus technischer Expertise, langjähriger HCMErfahrung und tiefem Prozessverständnis ist entscheidend für eine erfolgreiche Transformation.

Achten Sie deshalb bei der Auswahl des Beratungspartners genau darauf, dass diese Erfahrungen auch „aus der Praxis“ tatsächlich vorliegen.

Fazit

Die Einführung von SAP SuccessFactors Employee Central in bestehende SAP-HCM-Landschaften ist kein reines Softwareprojekt. Sie ist ein komplexes Transformationsvorhaben, bei dem gewachsene Prozesse, individuelle Systemlogiken und regulatorische Anforderungen sicher in eine neue Systemwelt überführt werden müssen.

Wer die Komplexität solcher Projekte unterschätzt, riskiert nicht nur technische Probleme, sondern auch erhebliche Auswirkungen auf Payroll, Compliance und Revisionssicherheit.

Umso wichtiger ist ein erfahrener Partner, der die Sprache beider Welten spricht und moderne Cloud-HR ebenso beherrscht wie historisch gewachsene SAP-HCM-Landschaften.

Anke Schönwald, Magister Scientiae,
Diplom-Betriebswirtin BA,
Schwerpunkt Erwachsenen- und
Weiterbildung, Arbeits- und Organisationspsychologie.

abresa GmbH

Diesen Beitrag teilen: