Im Dienste des Menschen
Wohin geht die digitale Reise der Anbieter von Software und Dienstleitungen im Bereich HR und Payroll? Welche Veränderungen erfährt der Markt - und was tut sich in den Personalabteilungen der Unternehmen?

Über diese und andere Fragen haben wir mit Dr. Mark Eger gesprochen. Er ist Geschäftsführer von SD Worx Deutschland.
Herr Dr. Eger, welche Rolle spielt die Digitalisierung heute in den Bereichen HR und Payroll – und wie sieht die digitalisierte Branche in fünf Jahren aus?
Das digitale Zeitalter fordert digitale Strategien – auch für die Personalabteilung wird die Digitalisierung zu einem wachsend zentralen Thema, die Veränderungen in HR haben schon heute Formen angenommen. So ist beispielsweise die Entgeltabrechnung ohne massive technische Unterstützung gar nicht mehr vorstellbar, ebenso wie das komplexe gesetzliche Meldewesen zwischen Arbeitgebern, Sozialversicherungsträgern, der Finanzverwaltung und anderen Behörden. Der gewachsene Automatisierungsgrad entlastet die „Personaler“ von administrativen Tätigkeiten und schafft Räume für notwendige strategische Arbeiten, beispielsweise rund um Mitarbeitergewinnung und -förderung. Aber auch über die administrativen Themen wie Entgelt oder Zeitwirtschaft hinaus wächst der Wunsch nach benutzerfreundlichen Lösungen rund um das Management des gesamten Mitarbeiter-Lebenszyklus, angefangen bei Recruiting und Onboarding bis hin zu modernen Instrumenten wie der Messung von Mitarbeiterengagement. Perfekt abgestimmte digitale Prozesse werden zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor für die Personalabteilungen und damit auch für die Unternehmen. Als globaler HR-Dienstleister sind wir mittendrin in der digitalen Transformation und tun alles, um auch unsere Kunden auf die digitale Zukunft optimal vorzubereiten.
Welche Alleinstellungsmerkmale hat SD Worx auf dem deutschen Markt?
Wir bieten digitale 360°-HR-Services, die unsere Kunden in allen relevanten Prozessen des Mitarbeiter Lifecycles unterstützen: in der Payroll, in der HR-Administration, im Talent Management und in der Zeitwirtschaft.
Wir sind in der Lage, unsere Services weltweit anzubieten. Was unser Angebot einzigartig macht, ist der Mix aus der internationalen Kompetenz auf der einen Seite und dem lokalen Know-how und der Kundennähe auf der anderen. Hinzu kommt die maximale Flexibilität: Wir schnüren das Leistungspaket, das unsere Kunden brauchen, von der Standardlösung bis zur individuell entwickelten HR-Prozesskette. Besonders wertvoll für die Unternehmen sind unsere Best-Practice Beispiele für branchentypische HR-Prozesse.
Welche Strategie verfolgt SD Worx in den kommenden Jahren?
Bis 2021 wollen wir die begehrteste Marke für Lohn- und Gehaltsabrechnung sowie Personaldienstleistungen in Europa werden. Wir wollen das Unternehmen sein, mit dem jeder zusammenarbeiten möchte, ob Kunde oder Mitarbeiter. Dieses Ziel ist zugegebenermaßen ehrgeizig, aber auch entscheidend – denn wir möchten uns langfristig sicher auf dem Markt positionieren. Es geht darum, in einer dynamischen Welt mit wachsender Komplexität wettbewerbsfähig zu bleiben. Wir sprechen in diesem Zusammenhang übrigens gerne über unsere drei Säulen, die unsere Wachstumsstrategie stützen: Globalisierung und wachsende internationale Beschäftigung, Digitalisierung und die Individualisierung der Arbeitsbeziehungen.
Stichwort Globalisierung. Das internationale Geschäft dürfte im Zuge der wachsenden Internationalisierung an Bedeutung zunehmen, richtig?
In der Tat dokumentieren unsere Zahlen die zunehmende Bedeutung des internationalen Marktes: 38 Prozent des Gesamtumsatzes kamen 2017 aus dem Ausland, im Jahr davor war das gerade einmal die Hälfte davon. Der internationale Markt bietet viele Chancen und wächst schneller als jeder andere lokale Markt: Die jährliche Wachstumsrate der lokalen Lohnsumme liegt bei zwei bis drei Prozent, bei internationalen Kunden kann diese hingegen leicht 15 Prozent erreichen. Immer mehr Unternehmen sind international tätig und suchen einen Lohn- und Personaldienstleister, der alle Länder abdeckt, in denen sie tätig sind. Sie kennen ja die teilweise gewaltigen nationalen Unterschiede im Bereich Payroll.
Wir bieten unseren Kunden genau diese globale Governance in Bezug auf die Gehaltsabrechnung, doch wir tun dies mit einem lokalen Service über ein Netzwerk von Niederlassungen und eine Vielzahl von Partnern. So sind wir auch im globalen Kontext in der Nähe unserer Kunden. Unser Angebot zum Thema internationale Gehaltsabrechnung umfasst auch die Beratung zu internationaler Beschäftigung, Berechnungen von Expatriates (Tax & Payroll Integrated), verschiedene Verträge und Arbeitsbedingungen, die Berechnung der Lohnkosten und die Optimierung der Gehaltsabrechnung in verschiedenen Ländern. Bei all diesen Fragen helfen wir unseren Kunden.
Ich muss an dieser Stelle leider auch das Thema Digitalisierung bemühen …
Natürlich, das gehört dazu, und es ist unumgänglich. Wir verstehen die Digitalisierung als Möglichkeit zur substanziellen Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit von Lösungen und Prozessen im Bereich Human Resources. Unsere Kunden und Mitarbeiter sollen also entlastet werden – und nicht etwa entlassen. Das ist ein sprachlich feiner, praktisch allerdings sehr großer Unterschied. Wenn es uns gelingt, Routineprozesse mit großen Datenmengen zu automatisieren, gewinnen unsere Berater Zeit, sich ganz auf die Optimierung des Kundenservices zu konzentrieren. Sie können mehr Gespräche mit Kunden über deren Bedürfnisse und strategische Ausrichtung führen – ebenso wie über die Rationalisierung von Prozessen und unseren Beitrag zum Erfolg der Kunden. Darüber hinaus können wir durch den Einsatz von Datenanalysen sehr proaktiv sein und mögliche Verbesserungen in internen Prozessen vorschlagen. Künstliche Intelligenz sowie, Robotic Process Automation (RPA) können und werden alltägliche HR-Aufgaben übernehmen, aber sie werden niemals in der Lage sein, den Menschen mit seiner Komplexität und Einzigartigkeit zu ersetzen.
Ein wichtiges Stichwort in diesem Zusammenhang ist die Individualisierung der Arbeitsbeziehungen, also der perfekte Zuschnitt von HR auf den einzelnen Mitarbeiter. Haben Sie diese Herausforderung auch im Blick?
Was für eine Frage – selbstverständlich wollen wir dort sein, wo der Mitarbeiter ist. Unsere Vision ist ein digitaler persönlicher Assistent für alle Mitarbeiter. Viele HR-Prozesse werden derzeit noch auf Papier durchgeführt, bevor sie in der Personalabrechnung verarbeitet werden. Einfache Vorgänge werden heutzutage oftmals noch ausgesprochen komplex abgewickelt – denken Sie alleine an die Beantragung von Urlaub. Da ist vielerorts ein umständlicher und zeitraubender Ablauf mit kleinteiligen Prozessen und Medienbrüchen etabliert. Das Prinzip des SD Worx Digital Assistant ist es, so viele Aufgaben wie möglich zu automatisieren. Wir gehen von spezifischen Lebens- und Arbeitssituationen der Mitarbeiter aus und überlegen, wie wir ihr Leben aktiv vereinfachen können. Es ist uns wichtig, im Rahmen der digitalen Transformation die individuellen Bedürfnisse der Kunden zu erkennen und zu bedienen.
Neue Player aus Übersee finden wachsend Freude am deutschen HR- und Payroll-Markt. Verändert das die Szene in Deutschland? Stehen wir vor einer Welle an Übernahmen und Fusionen?
Die Konsolidierung der deutschen HR-Industrie wird sich weiter fortsetzen. Neue Player im HR- und Payroll-Markt sind eher die Ausnahme als die Regel. Workday und anderen internationalen Anbietern fehlt oft das Know-how im Bereich Payroll und Administration. Es verwundert also nicht, dass diese Lösungen auf Performance- und Talent Management spezialisiert sind. Im Bereich Payroll und HR Administration haben sich in Deutschland einige wenige Anbieter mit integrierten Gesamtlösungen etabliert. Hier einzubrechen ist gerade für neue Anbieter schwierig. In Nischenbereichen haben mit innovativen Lösungen auch Startups ihren Platz gefunden. Gerade der Payroll-Markt wird weiter hart umkämpft. Da es sich um einen klassischen Verdrängungswettbewerb handelt, werden auch einige Anbieter auf der Strecke bleiben. Wir sind hier als Dienstleister in einer flexibleren Position als ein Softwareentwickler. Für uns ist es allerdings wichtig, permanent ein paar Schritte im Voraus zu denken, wenn wir wettbewerbsfähig bleiben wollen. Außerdem spielt im Dienstleistungssektor die Unternehmensgröße eine wachsende Rolle. Allein aus diesem Grund wird sich die Anbieterlandschaft verändern.
Erlauben Sie zum Schluss eine persönliche Frage: Was fasziniert Sie an der Payroll- und HR-Welt?
Auf den ersten Blick mag die Payroll- und HR-Welt trocken und langweilig erscheinen. Doch von innen besehen ist das genaue Gegenteil der Fall. Ich habe noch nie eine Branche erlebt, in der sich in kurzer Zeit so viel ändert – man bleibt folglich stets agil und flexibel. Es gibt so viele Einflussfaktoren, die unsere Arbeit bestimmen: Da sind die vielen Gesetze und Regeln zu Steuer und Sozialversicherung, aber auch die rasante technologische Entwicklung sowie die zunehmende Automatisierung sind spannende Themen.
Der zunehmende Einsatz von künstlicher Intelligenz und mobilen Anwendungen verändert die HR- und Payroll-Welt schon heute spürbar – und diese Entwicklung wird sich in Kürze dramatisch beschleunigen. Es wird keinen Stillstand geben, die Branche steht permanent vor neuen Herausforderungen – und die Bedeutung des Menschen wird inmitten all dieser Wandlungen noch zunehmen. Es bleibt spannend, es bleibt faszinierend.
Herr Dr. Eger, ich danke Ihnen für dieses Gespräch.

