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Betrieb und Familie : Auszeichnung kann helfen!

Audit Beruf und Familie als Recruiting- und Bindeargument

Lesezeit 3 Min.

Warum gehen die Top-Kandidaten zur Konkurrenz und nicht zu mir? Warum entscheiden sie sich lieber für einen anderen Arbeitgeber, wo wir die Fachkräfte so dringend brauchen?

Es gibt natürlich viele Kriterien, die die Entscheidung eines Bewerbers für oder gegen den Job in einem Unternehmen beeinflussen können. Dazu gehören beispielsweise Gehalt und Sozialleistungen eines Unternehmens, die Reputation, die Möglichkeit, selbstständig zu arbeiten, mehr und mehr aber auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Gerade die junge Generation will nicht mehr den Job absolut und kompromisslos in den Mittelpunkt ihres Lebens stellen. Sie will gern arbeiten, und das möglichst eigenständig und mit Verantwortung für das eigene Tun, aber nicht rund um die Uhr. Mindestens genauso wichtig nehmen die jungen Menschen heute ihr Privatleben und die Familie. Grund genug also für die Unternehmen, auf diesem Gebiet nachzubessern und ein gutes Angebot für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu schaffen.

Das Problem ist aber: Wie „verkauft“ man das richtig? Natürlich kann man die einzelnen Angebote aufzählen, aber wer liest das schon? Und was gehört wirklich dazu und was eher nicht? Was ist heute so selbstverständlich, dass eine besondere Erwähnung eher Misstrauen weckt?

Was ist ein Audit?

Ein Audit untersucht, ob Prozesse, Anforderungen und Richtlinien die geforderten Standards, insbesondere im Personalwesen, erfüllen. Ein solches Untersuchungsverfahren erfolgt häufig im Rahmen eines Qualitätsmanagements. Die Audits werden von einem speziell hierfür geschulten Auditor durchgeführt. (Quelle: Wikipedia)

Es gibt eine Lösung in Form eines Zertifikats für das Unternehmen. Seit 1999 können Unternehmen, die bestimmte Anforderungen erfüllen, eine offizielle Zertifizierung als familienfreundliches Unternehmen erhalten. Ein solche Auszeichnung verdeutlicht auf einen Blick die Angebote im Sinne der Familienfreundlichkeit. Ausgestellt wird das Zertifikat von der berufundfamilie Service GmbH, einem Dienstleister im Themengebiet Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben. Zentrales Angebot ist das von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung initiierte audit berufundfamilie.

Die Kriterien

Neben den formalen Kriterien wie Einhaltung der vereinbarten Fristen und einer vollständigen Dokumentation sind inhaltliche Kriterien entscheidend für die Vergabe des Zertifikats.

Untersucht wird, ob der Arbeitgeber Ziele für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und Privatleben definiert und geeignete Maßnahmen zur Zielerreichung ergriffen hat. Dazu gehören eine zeitliche Planung und eine Umsetzungsstrategie. Das Thema Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben muss sich in der Personalpolitik, im Leitbild des Unternehmens sowie in der Strategie und Struktur wiederfinden, damit eine institutionelle Verankerung sichergestellt ist. Transparente und verbindliche Vereinbarungen, etwa in Form einer Betriebsvereinbarung oder anderer Absprachen mit der Mitarbeitervertretung, gehören ebenso dazu.

Untersucht wird auch, ob und wie die Maßnahmen kommuniziert werden, welche Informationswege und Medien genutzt werden und ob die Kommunikation kontinuierlich und umfassend erfolgt. Dazu gehören Strukturen für die Rückmeldung durch die Mitarbeiter und die Unterstützung der Führungskräfte bei der Umsetzung der Maßnahmen. Führung ist ohnehin das Schlüsselwort: Die Leitungsebene muss die familiengerechte Arbeit nachhaltig und mit Überzeugung unterstützen. Führungskräfte aller Ebenen müssen in die Entwicklungsprozesse einbezogen und von den Vorteilen überzeugt werden. Dazu gehört unter anderem, dass die familienfreundlichen Maßnahmen adäquat auch von den Führungskräften für sich genutzt werden können.

Weiterer Prüfpunkt ist die Evaluation der getroffenen Maßnahmen. Eine einmalige Erstellung eines Maßnahmenpakets reicht für eine dauerhafte Implementierung im Unternehmen nicht aus. Die Maßnahmen müssen regelmäßig auf Nutzbarkeit und Nutzung überprüft und ggf. an die tatsächlichen oder an veränderte Bedarfe der Mitarbeiter angepasst werden.

Die Zertifikate werden auf einer jährlichen Veranstaltung vom Bundesfamilienministerium, das auch die Schirmherrschaft übernommen hat, vergeben.

Die Unternehmen können mit dem Zertifikat werben und es beim Recruiting von Fachkräften oder Berufsnachwuchs als Unterscheidungskriterium zu anderen Unternehmen nutzen. Der Vorteil liegt darin, dass ein solches, von externen Fachleuten vergebenes Zertifikat dem Bewerber einen wesentlich schnelleren Überblick gibt als der Vergleich einzelner, von Unternehmen zu Unternehmen abweichenden Maßnahmen oder Angeboten.

Die Kosten für die Zertifizierung, die immer mit einer umfangreichen Beratung verbunden ist, richten sich nach der Mitarbeiterzahl. Dabei wird zudem unterschieden, ob es sich um eine Erstzertifizierung handelt oder um eine Wiederholung. Das Zertifikat gilt jeweils für drei Jahre und muss dann verlängert werden, wenn das Unternehmen weiterhin damit werben möchte. Detailinformationen zum Ablauf des Verfahrens und zu den Kosten erhalten Sie unter www.berufundfamilie.de.

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