Netzwerk für HR-Qualitätsmanagement und Prozesse : Fehlerkultur als Teil der Unternehmenskultur
Die Fehlerkultur ist ein theoretisches Konzept aus den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Sie beschreibt den Umgang mit Fehlern innerhalb von Gesellschaften, Gruppen oder Organisationen. Ebenso, wie mit den Fehlerrisiken und den sich daraus ergebenden Konsequenzen von Fehlentscheidungen umgegangen wird.
Für jedes Unternehmen sollte die Fehlerkultur einen hohen Stellenwert haben. Folgende Sätze hat sicher jeder schon mal gehört: „Jeder, der arbeitet, macht auch Fehler.“ Oder: „Wo gehobelt wird, fallen Späne.“ Fehler kommen einfach vor. Dort, wo Menschen sind, passieren Fehler. Daran haben auch die besten Computersysteme und künstliche Intelligenz (noch) nichts ändern können. Zwar sind in bestimmten Bereichen die Fehler weniger geworden, das Grundproblem hinter Fehlern bleibt aber das gleiche: der Mensch. Die Frage, die sich jede/r Verantwortliche in einem Unternehmen/in einer Organisation stellen muss, ist der Umgang mit Fehlern.
Wenn Mitarbeitende bereits bei kleinen Fehlern mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen rechnen müssen, werden sie kaum Fehler eingestehen bzw. alles tun, um Fehler zu vertuschen. Dies wiederum führt unter Umständen dazu, dass seitens der Unternehmensleitung zusätzliche Kontrollen in die Prozesse eingezogen werden. In der Folge führen weitere zusätzliche Kontrollen zu weiteren Verunsicherungen bzw. zu einer Demotivation bei den Mitarbeitenden. Wer lässt sich schon gern kontrollieren? Eine fehlende offene Fehlerkultur schädigt ein Unternehmen daher in mehrfacher Weise.
In manchen Branchen können Fehler Menschenleben kosten, zum Beispiel in der Flugzeugindustrie. Wer hier vergisst, eine Schraube anzuziehen, kann eine Katastrophe auslösen. Trotz mehrfach abgesicherter Systeme kommt es doch immer wieder zu Unfällen. Als Ursache wird oftmals „menschliches Versagen“ angegeben.
Eine offene Fehlerkultur dagegen setzt zunächst Vertrauen seitens des Mitarbeitenden gegenüber der Führungskraft voraus. Vertrauen darauf, im Falle eines Fehlers nicht gleich mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen rechnen zu müssen. Es muss im Unternehmen sogenannte „Erlauber“ geben. Es ist „erlaubt“, auch Fehler zu machen.
Info |
|---|
Das Thema „Fehlerkultur“ wird auch in der nächsten Veranstaltung des Netzwerks für HR-Qualitätsmanagement & Prozesse (vorher ARGE IKS) am 06. und 07.11.2024 behandelt. |
Bei einer positiven Fehlerkultur werden Fehler akzeptiert. Daraus ergeben sich eine erhöhte Achtsamkeit und ein neues Fehlermanagement. Wenn ein Unternehmen bzw. eine Organisation offen mit Fehlern umgeht, bringt dies auch Chancen mit sich. Beispielsweise lässt sich bei einem prozessualen Fehler die Fehlerquelle reduzieren bzw. im besten Fall eliminieren. Im Idealfall lernt die gesamte Organisation aus dem Fehler eines Einzelnen.


