Fachkräftezuwanderung unter Druck : Viele EU-Arbeitskräfte verlassen Deutschland wieder
Deutschland ist weiterhin stark auf Zuwanderung aus anderen EU-Staaten angewiesen, um Fachkräfteengpässe zu schließen. Gleichzeitig zeigt sich jedoch eine gegenläufige Entwicklung: Ein erheblicher Teil der zugewanderten Arbeitskräfte verlässt das Land nach wenigen Jahren wieder. Darauf weist eine aktuelle Auswertung der EU-Gleichbehandlungsstelle im Auftrag der Bundesregierung hin.
Demnach kehrt ein signifikanter Anteil der EU-Bürgerinnen und -Bürger bereits innerhalb der ersten vier Jahre nach der Einreise in ihr Herkunftsland zurück oder zieht in andere Staaten weiter. Für den deutschen Arbeitsmarkt ist diese Entwicklung problematisch, da Zuwanderung eine wichtige Rolle bei der Sicherung des Fachkräfteangebots spielt.
Besonders deutlich wird die Herausforderung in Branchen mit akuten Engpässen. Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft konnten zuletzt allein in den zehn besonders betroffenen Berufsfeldern rund 260.000 Stellen rechnerisch nicht mit qualifizierten Arbeitskräften besetzt werden. Zu den Branchen mit dem größten Personalbedarf zählen unter anderem das Gesundheitswesen, das Baugewerbe sowie Teile der öffentlichen Verwaltung.
Als Gründe für die vergleichsweise hohe Abwanderung nennen viele Zugewanderte vor allem hohe Lebenshaltungskosten, bürokratische Hürden und Schwierigkeiten bei der Anerkennung beruflicher Abschlüsse. Auch begrenzte Aufstiegsmöglichkeiten, unflexible Arbeitsbedingungen sowie Diskriminierungserfahrungen können die Entscheidung beeinflussen, Deutschland wieder zu verlassen.
Die meisten EU-Arbeitskräfte kommen weiterhin aus Rumänien, Polen und Bulgarien. Gleichzeitig ist die Nettozuwanderung aus EU-Staaten zuletzt deutlich zurückgegangen. Aktuelle Zahlen zeigen, dass der Wanderungssaldo aus EU-Ländern zuletzt nur noch rund 38.000 Personen betrug und damit deutlich unter den Werten der Vorjahre lag.
Arbeitsmarktexperten sehen darin ein Signal, dass Deutschland seine Attraktivität als Arbeitsstandort stärker sichern muss. Neben der gezielten Anwerbung qualifizierter Fachkräfte gewinnen insbesondere schnellere Anerkennungsverfahren, weniger Bürokratie sowie bessere Integrations- und Aufstiegsperspektiven an Bedeutung, um internationale Arbeitskräfte langfristig im Land zu halten.


