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Anerkennung stärken, Migration fair gestalten : BIBB und GIZ vertiefen Zusammenarbeit

Das Bundesinstitut für Berufsbildung und die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit intensivieren ihre Zusammenarbeit zur Anerkennung nordafrikanischer Berufsqualifikationen. Ziel ist es, faire Arbeitsmigration zu fördern, Qualifikationen vergleichbarer zu machen und nachhaltige Mobilitätsstrukturen zwischen Nordafrika und Deutschland aufzubauen.

KurzmeldungenMagazin
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Der Schulterschluss ist strategisch, notwendig und überfällig: Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) intensivieren ihre Kooperation mit einem klaren Ziel – die Anerkennung nordafrikanischer Berufsqualifikationen in Deutschland wirksam zu erleichtern. Die neue Vereinbarung läuft bis zum 31.03.2028.

Konkret berät der Arbeitsbereich 3.3 „Anerkennung von ausländischen Berufsqualifikationen“ des BIBB ab sofort die GIZ-Vorhaben THAMMPlus sowie TCTI II in Ägypten, Marokko und Tunesien. Im Kern geht es um Systemarbeit: Anerkennungsfähigkeit nicht nachträglich zu reparieren, sondern strukturell mitzudenken.

Die Ausgangslage ist eindeutig. Während in Nordafrika der Arbeitsmarktdruck hoch bleibt, verschärft sich in Deutschland der Fachkräftemangel. Arbeitsmigration ist damit kein politisches Schlagwort, sondern ein arbeitsmarktökonomisches Instrument, vorausgesetzt, sie ist fair, reguliert und qualifikationsadäquat. Genau hier setzen die gemeinsamen Aktivitäten von BIBB und GIZ an.

  • THAMM Plus verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz: Qualifizierungen, Sprachförderung und interkulturelle Vorbereitung werden mit einem institutionellen Kapazitätsaufbau verbunden. Parallel entstehen belastbare Partnerschaften zwischen Herkunftsländern und Deutschland – von Berufsschulen über Arbeitsverwaltungen bis hin zu Kammern und regionalen Initiativen. Ziel ist kein kurzfristiger Vermittlungserfolg, sondern nachhaltige Mobilitätsstrukturen.
  • TCTI II wiederum adressiert das ägyptische Berufsbildungssystem selbst. Im Fokus stehen Transparenz, Arbeitsmarktrelevanz und Geschlechtergerechtigkeit. Dazu gehören ein standardisiertes Prüfwesen, die Anerkennung erworbener Kompetenzen sowie eine bessere Verzahnung von Arbeitsmarktinformationen und Bildungsangeboten. Kurz gesagt: Qualifikationen sollen vergleichbar, nachvollziehbar und anschlussfähig werden – auch für den deutschen Markt.

Die Rolle des BIBB ist dabei klar definiert: Beratung mit Tiefenschärfe. In Marokko liegt der Schwerpunkt auf Capacity Building und nachhaltigen Strukturen vor Ort. In Tunesien und Ägypten fließen konkrete Erfahrungen aus Anerkennungsverfahren ein, um Qualifizierungsmaßnahmen gezielt weiterzuentwickeln und Anerkennungsprozesse zu beschleunigen. Für TCTI II wird zudem geprüft, wie zusätzliche Zertifizierungen die Beschäftigungsfähigkeit ägyptischer Absolventinnen und Absolventen in Deutschland erhöhen können.

Diese Kooperation ist mehr als Projektarbeit. Sie stärkt die Zusammenarbeit Deutschlands mit zentralen Herkunftsstaaten Nordafrikas und leistet einen konkreten Beitrag zur Umsetzung der Empfehlungen der EU-Kommission zur Anerkennung von Qualifikationen von Drittstaatsangehörigen (November 2023).

Unterm Strich: Anerkennung wird hier nicht verwaltet, sondern gestaltet. Strategisch, partnerschaftlich und mit klarem Blick auf die Realität der Arbeitsmärkte.

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