Einfach nur Vorurteile statt Lösungen? : Generationen gegeneinander?
Jede „Jugend“ hat ihre eigenen Kritiker“? Warum beschäftigt uns gerade dann die Generation Z, also GenZ, so besonders und anhaltend? Liegt es an dem, was sie darstellen, fordern, vielleicht sogar verweigern? Niemals sollte man alle über einen Kamm scheren, aber sind das nicht längst Gesellschaftsphänomene? Brauchen wir nicht mehr denn je gezielte Brückenbauer zwischen den Generationen , also Menschen, Strukturen oder Formate, die Perspektiven vermitteln, Dialog ermöglichen und gegenseitiges Verständnis fördern? Worin liegen die wahren Ursachen? Wer werden die „Retter“ unserer gespaltenen Gesellschaft? Was müssen wir tun und verändern, damit Arbeitswelt und Gesellschaft – mit allen und vor allem für alle – eine echte Zukunft haben?
Einfach nur kindisch?
Die Diskussionen sind geprägt von großen Erwartungen, einigen Vorurteilen und ebenso von gerechtfertigten Bedenken und ernstzunehmenden Sorgen – aufgrund der vielen aktuellen bestehenden Herausforderungen für Wirtschaft und Gesellschaft und unsere Zukunft. Das alles, was daraus erwachsen ist und in den andauernden Debatten zum täglichen „Dauerbrenner“ geworden ist, muss wohl tiefgreifender angegangen werden. Hier geht es nicht einfach nur um „auf die Schnelle überbrückbare Differenzen“ – entstanden aus vorübergehenden Trends oder „unreifen Launen“.
Zudem sollte und darf die Frage, wer denn überhaupt noch Chancen auf was haben kann und wird, nicht auf die falsche Weise relativiert und kleingeredet werden: Nicht die Hoffnung, sondern die konkrete Chance auf etwas ist im Grunde der Motor von allen und allem. Und ist tatsächlich etwas, was sich nie geändert hat und nicht ändern wird. Vieles von dem, was jetzt nicht mehr läuft und stimmt, darf nicht nur beliebig in bestimmte Richtungen abgeschoben werden. Wir müssen uns wesentlich mutiger und reflektierter (hinter-)fragen, wen oder was dieses Versagen wirklich spiegelt.
Hoffnungslos oder herausfordernd?
Es drängt also, gerade jetzt (all!) diese richtigen Fragen stellen – was ebenso bedeutet, wir müssen aufhören, uns vermeintlich „erhaben“ an nutzlosen Klischees abzuarbeiten, und uns der Tatsache stellen, dass wir an einem Punkt sind, an dem wir nicht zu gewohnten (althergebrachten) Traditionen übergehen und (vielleicht längst überholte) Tagesordnungen abarbeiten können. Einfach wieder länger arbeiten, schnell mal eine Armee aufbauen? Es gab dafür einmal gute Gründe – sie hießen nicht nur Entwicklung, sondern Fortschritt. Das wir vor vielen großen Herausforderungen stehen, heißt aber trotzdem auch: Alle müssen ihren Beitrag leisten und sich (aufeinander zu) bewegen und es müssen auch alle gehört werden. Wir kommen nicht umhin, dafür auch ernsthafte, erstrebenswerte und echt erreichbare Ziele und Belohnungen zu schaffen, da hilft kein Lamentieren in Bezug auf bestehende Krisen oder vermeintliche Ressourcenknappheit. Denn es wäre gelogen, zu sagen, das geschieht auf Kosten „aller“.
Gemeinsam Verantwortung tragen
Die Zeit von (überheblicher) Augenwischerei ist vorbei. Nur gemeinsam haben wir die Chance, es mit aller Kraft zu schaffen, da darf es auch keine weitere „Schuldzuschieberei“ im Sinne von „Generationen-Bashing“ oder ganze „Gruppenverurteilungen“ geben. Trotzdem dürfen wir nicht ignorieren, was längst Zeitgeist geworden ist, was wirklich schiefläuft, wo sich falsche Strukturen eingeschliffen haben – und wir den Kontakt und die Bodenhaftung leider längst verloren haben. Hier braucht aber längst mehr, als alles nur korrekt zu identifizieren und zu benennen.
Es gilt zu differenzieren, zu hinterfragen und vor allen darum, Verantwortung(en) zu übernehmen – denn das, was uns als älterer Generation folgt, haben (auch) wir vorbereit, geschaffen und müssen in der Lage sein, mit den Konsequenzen als Form von (selbstverschuldeten) Reaktionen und Ergebnissen umzugehen, diese nicht nur verstehen, sondern selbst auch wesentlich „erwachsener“, intelligenter und deutlich reflektierter darauf reagieren.
Immer auf die „Jungen“?
Wo liegt denn nun der Schwerpunkt der vermeintlichen Vorurteile, die es intensiver zu beleuchten gilt? Denn eines lässt sich sagen: Die Generationen Z und Alpha sind definitiv anders, als wir es eben „(von uns selbst) gewohnt sind“ und wir es bisher einfach erwartet und vorausgesetzt haben. Um welche Altersgruppen geht es dabei genau? Zur Generation Z zählen wir in der Regel Menschen, die etwa zwischen 1997 und 2010 geboren wurden. Die Generation Alpha umfasst die Geburtsjahrgänge ab 2010 bis Mitte der 2020er-Jahre. Die aktuelle Forschung zeichnet uns auf gewisse Weise bereits ein differenziertes Bild, welche die Unterstellung von bestehenden Klischees zu entkräften scheint, mit der Botschaft, dass sie nicht einfach nur bequem und durchaus leistungsbereit seien.
So wenig, wie man bestehende Vorurteile auf alle Angehörigen der GenZ oder Alpha übertragen und einfach verallgemeinern sollte, umso mehr muss man sich ihrer im Detail annehmen und diese durchleuchten – sowohl, um sie vielleicht zu entkräften, aber vor allem auch, um den Ursachen für deren Entstehung auf den Grund zu kommen, um eine Art „Gesamtlösung“ zu finden, die uns endlich alle weiterbringt. Selbst wenn wir mit einem solchen Beitrag hier nur wichtige Fragen anstoßen und mögliche Lösungsansätze vorbereiten können.
Alles relativ?
Spricht man heute über das Thema intensiv mit Unternehmern, Vorgesetzen, Ausbildern und anderen Verantwortlichen oder Zuständigen im sozialen Sektor, so muss auch deren alltäglichen Wahrnehmungen, Erlebnissen und zu bewältigenden (zusätzlichen) Aufgaben und großen Herausforderungen nicht nur die entsprechende Aufmerksamkeit gewidmet werden. Es muss beziehend auf deren Feedbacks, Erlebnisschilderungen und Erfahrungen sich der von ihnen ebenso benannten (konkreten) und tatsächlich häufig auftretenden Problemlagen angenommen werden. Da helfen solche „im Grunde genommen zahlenmäßig guten Prognosen“ weder im Arbeitsalltag noch in der Gestaltung von zukunftsfähigen und risikoarmen Erwerbsbiografien. Wir brauchen das Bewusstsein, die Konzepte und auch den richtigen Handlungsspielraum, um entsprechend zu reagieren und zu handeln.
Zielführende Zahlenspiele?
Wenn man darauf abhebt, dass „erstaunlich optimistische 52 Prozent der befragten Jugendlichen ihre eigenen Perspektiven positiv“ sähen, auch „nur 35 Prozent“ Angst vor der Arbeitslosigkeit hätten und man mit einem 15-Jahres-Vergleich dadurch von einem historischen Tiefststand spricht, so kann sich das wie ein gewollt positiv zu wertendes Narrativ lesen, das auf Ergebnissen aktueller Jugendstudien basiert. Nicht nur, weil man sich nun vielmehr auf den nächstbesseren oder -schlechteren Zeitpunkt bezieht, sondern die Kritiker der jungen Generation ihre Erfahrungswerte und Erwartungshaltungen in einer anderen Zeit gebildet haben. Natürlich klingt es erstmal gut, wenn man so liest, dass zwei Drittel der Jugendlichen bereit wären, richtig viel zu arbeiten, wenn es sich lohnt. Fast 60 Prozent von ihnen seien der Auffassung, dass Erfolg auch Mehrarbeit erfordert. Wie groß ist dann das (wirkliche) „Aber!“ und wie viel wiegt es dann tatsächlich in der Realität? Abgesehen davon, dass hier alle in der Theorie sprechen.
Zwischen Tatsachen und Tragweite?
Schaut man sich die Zahlen der ShellStudie zunächst mal ganz grob an, so könnte man es dagegen genauso auf diese Art ausdrücken: „Nur knapp die Hälfte der jungen Menschen in Deutschland glaubt überhaupt an eine gute Zukunft“ oder „bereits jeder dritte junge Mensch“ fürchtet, arbeitslos zu werden. Solche Werte sagen im Grunde auch viel zu wenig aus über die Tiefe und Tragweite sozial-psychologischer Faktoren sowie über die ungleiche Betroffenheit je nach sozialer Herkunft, Sozialisierung und tatsächlichen Zugängen zu Bildung, Sicherheit und Arbeitsmarktchancen. Ebenso stehen sie zum Erhebungszeitpunkt für sich und berücksichtigen noch nicht, dass nun auch der Mittelstand immer mehr von der um sich greifenden wirtschaftlichen Verunsicherung betroffen ist. Hinzu kommt, dass immer mehr angehende Akademiker nach ihrem Abschluss nun plötzlich nicht mehr gefragt sind als Einsteiger auf dem Markt. Die Frage lautet aktuell tatsächlich: „Auf wen wartet die (Arbeits-)Welt nun wirklich?“
Voll die falschen Vergleiche?
Dabei geht es nicht nur darum, zu erörtern und zu betrachten, wie „voll oder halbleer das Glas“ gerade zu sein scheint – in Bezug auf das allgemeine „Hoffungsbarometer“ und die daraus abgeleitete Leistungsbereitschaft. Solche Zahlenvergleiche gehen den eigentlichen Fragen nicht auf den Grund, wo die Störgefühle und Spannungsfaktoren zwischen den Generationen eigentlich herkommen (ebenso wenig, was daraus abzuleiten ist). Denn die Studien sagt nichts darüber aus, mit welchem Spirit sich an der Jugend aufreibende ältere Generationen groß geworden sind und welche (real) gelebten, erlebten und existierenden Chancen, Erfolge, Karrieren, Perspektiven diese erreichen konnten und welche Möglichkeiten sie in Bezug auf Vermögenserwerb und Rentensicherung hatten und (konsolidierend) umsetzen konnten.
Gleiche Rechte und Pflichten für alle?
Wer mit deutlich anderen Leistungsanreizen und realisierbaren Chancen groß geworden ist, der sollte sich nicht verleiten lassen, seine alten (und vielleicht auch falschen) Erwartungshaltungen zu übertragen. Jede Generation hat sicherlich „ihre Pflichten“, aber sie hat auch (An-) Rechte, in Bezug auf Hoffnung auf tatsächlich realisierbare Erfolge und eine generationengerechte Belohnung und in Bezug auf Prosperität. Manche reden hier von „sozialer Marktwirtschaft“ als Ideal, während die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinanderzuklaffen droht, als lebten wir immer mehr in verstecken „Adelszeiten“ im vorgeschobenen Glitzerwandgewand der Modere, während aber bald einst begünstigte „Vasallen“ unbelohnt nun auch mit „auszubluten“ drohen – nennen wir sie mal Mittelstand. Mag pathetisch klingen, aber für viele werden soziale Dramen möglicherweise bald zum Alltag. Welche Welt vererben wir also unseren jungen Generationen?
Lieber lästern als Lösungen?
Mit solchen Betrachtungen lassen sich nicht nur die (gegenseitigen) Kritikpunkte deutlich besser einordnen, sondern es wird möglich(er), die Tragweite der nun anstehenden tiefgreifenden Kollision der beiden „Erwartungs-Bubbles“ wesentlich besser zu verstehen. Daraus sollten entsprechende Maßnahmen für die bessere Verständigung, eine produktive und unsere Zukunft sichernde Zusammenarbeit und weitreichende Perspektivenarbeit entstehen. Denn man kann ziemlich sicher sagen, dass sich Jung und Alt um die wirtschaftliche Lage so große Sorgen machen, wie schon lange nicht mehr. Das verbindet beide Generationen trotz aller Gegensätze nicht nur, sondern fordert im Grund alle im gleichen Maße heraus.
Braucht es Brückenbauer?
Daher braucht es tatsächlich zwei Dinge: Jede Seite und jeder Einzelne wird sich nicht nur an die eigene Nase fassen (lassen) müssen, sondern man wird noch viel mehr gefordert sein, zusammen die Ärmel hochzukrempeln, denn nur so wird es gehen. Das sollte noch viel weitreichendere und gezieltere Ansätze beinhalten, wesentlich lösungsorientierter die Zukunft gemeinsam gestalten wollen. Das heißt aber nicht: einfach nur aufeinander zugehen und Themen „nivellieren“ und im Hinblick auf Harmonie einfach „hinwegglätten“. Es bedeutet unabdingbar, sich die maximale Chance zu geben, sich (gegenseitig) zu verstehen und voneinander zu lernen.
Ein echtes Ergebnis resultiert nur aus Spannung – zwischen den beiden Seiten, unter Einbeziehung der Unterschiedlichkeiten. Solche essenziellen Prozesse entstehen aus den Perspektiven, gewonnenen Haltungen und den aufgekommenen Themen, die sich eindeutig (auf-)reiben. Es braucht natürlich auch Raum zwischen den Erwartungen, welche nicht immer übereinstimmen – trotzdem muss das Interesse am guten Ergebnis das gemeinsame Ziel darstellen, ob bei der Arbeit – oder aber auch insgesamt gesellschaftlich gesehen. Denn nur so kann und wird es gehen.
Fazit
Wir müssen in unserem jeweils eigenen Interesse und dem aller lernen, nicht nur belastbare Brücken zwischen den Altersgrenzen und -gruppen und gravierenden bestehende Sozialklüften zu bauen, sondern (wieder) richtig zusammenzuwachsen. Nur mit einer solchen geballten übergreifenden gesellschaftlichen und sozialen Generationenpower lassen sich nicht nur diese tiefgreifenden Differenzen beseitigen, sondern lässt sich überhaupt eine nachhaltige Zukunftsperspektive schaffen – alles andere ist tiefgreifende (Haar-)Spalterei, die am Ende zu gar nichts führt.
Nur auf diese Weise können wir nicht nur den individuellen Bedürfnissen, sondern dem allgemeinen großen Bedarf an der (selbstverständlich) benötigten Sicherheit und dem Wunsch nach Wohlstand und Wirksamkeit überhaupt Rechnung tragen. Wer nicht erkennt, dass jeder Teil wirkt, (nach Möglichkeit) trägt und dazugehört, hat weder Wirtschaft noch Gesellschaft in ihrer Gänze verstanden – egal, wo er im Leben steht. Wir sind dabei längst darüber hinaus, nur die notwendigen Feststellungen zu machen und uns die richtigen Fragen zu stellen – wir brauchen Antworten und Lösungen. Dafür gehe ich in Teil 2 in einen spannenden Intensivdialog mit Nicole Eppie Wagner – LinkedIn HR Top Voice der Jahre 2024 und 2025, Sozialpädagogin und Ausbildungsbegleiterin, Expertin für Bildung, Armutsbekämpfung und Chancengerechtigkeit.
Dr. Silvija Franjic, Fachredakteurin und Jobcoach



