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Stier meint …!

Kaum hat sich der Wahlstaub gelegt, schon läuft die Politik auf Hochtouren. Am 08.03.2025 haben CDU, CSU und SPD ihre Sondierungsgespräche erfolgreich abgeschlossen. Und während sich die einen noch fragen, wer diesmal das Finanzministerium bekommt, fragen wir uns in der Entgeltabrechnung: Was bedeutet das für uns? Denn klar ist: Was als elegantes Sondierungspapier daherkommt, landet am Ende als Excel-Tabelle auf unserem Schreibtisch.

Markus StierKolumneMagazin
Lesezeit 2 Min.
Chefredakteur Markus Stier
Chefredakteur Markus Stier

Der Mindestlohn soll steigen – und zwar auf 15 Euro. Super für alle, die ihre Mittagspause endlich nicht mehr mit Rechnen verbringen wollen. Die Methode? Eine „Gesamtabwägung“, die sich nach der Tarifentwicklung und 60 Prozent des Bruttomedianlohns richtet. Klingt nach hochkomplizierter Mathematik oder einfach nach: „Wir würfeln mal und schauen, was rauskommt.“ Fakt ist: Die Löhne steigen, die Unternehmen ächzen, und wir rechnen uns in der Abrechnung die Finger wund. Wer sich da noch über neue Software-Updates freut, hat nie erlebt, was passiert, wenn der Mindestlohn mitten im Jahr angepasst wird.

Öffentliche Aufträge nur noch für tarifgebundene Unternehmen? Das klingt fast so, als ob die Regierung uns eine Zeitreise in die 70er spendieren möchte. Man stelle sich vor: keine wild wuchernden Niedriglöhne mehr, sondern faire Bezahlung für alle! Zumindest auf dem Papier. In der Praxis heißt das für uns: noch mehr Nachweise, noch mehr Papierkram und noch mehr Anrufe von Chefs, die fragen: „Müssen wir da jetzt auch mitmachen?“ Antwort: „Kommt drauf an, ob Sie noch öffentliche Aufträge wollen …“

Künftig soll die Höchstarbeitszeit wöchentlich statt täglich geregelt werden. Hurra, das bedeutet, wir können Montag bis Donnerstag durcharbeiten und dann ein langes Wochenende genießen! Ach nee, Moment – Ruhezeiten müssen trotzdem eingehalten werden. Also doch kein Vier-Tage-Wahnsinn. Für uns in der Abrechnung bedeutet das vor allem eines: noch mehr Sonderregelungen und noch mehr Anrufe von Personalabteilungen, die fragen: „Wie genau soll das jetzt gehen?“ Na ja, wie immer gilt: Erst machen wir’s kompliziert, dann wundern wir uns, warum keiner mehr durchblickt.

Die Digitalisierung nimmt Fahrt auf – also zumindest überall, außer bei den Behörden, die noch immer Faxe verschicken. Aber immerhin: Betriebsräte sollen bei KI-gestützten Systemen mehr Mitbestimmung erhalten. Ob das bedeutet, dass sie künftig mit Alexa über Lohnabrechnungen diskutieren dürfen? Wer weiß! Fakt ist: Wir stehen vor einem spannenden Wettrennen zwischen „modernen Technologien“ und der Frage: „Wie kriegen wir das jetzt in den Betriebsrat?“ Die Wetten laufen.

Überstunden sollen steuerfrei werden – klingt traumhaft, oder? Doch Moment: Gilt das nur für Mehrarbeit, die über die tarifliche Vollzeitarbeit hinausgeht? Und wo liegt dann die magische Grenze? 34 Stunden? 40 Stunden? Je nach Tarif? Da sieht man es wieder: Einfach wäre ja langweilig! Die einen jubeln, die anderen stöhnen, und wir? Wir schreiben endlose Memos darüber, wie das jetzt genau in der Lohnabrechnung umgesetzt wird. Tipp: Kaffee bereitstellen, das wird lang.

Eines ist sicher: Es bleibt spannend. Die Sondierungsgespräche zeigen, dass wir uns auf tiefgreifende Änderungen im Arbeitsrecht einstellen können. Ein steigender Mindestlohn, eine stärkere Tarifbindung, flexiblere Arbeitszeiten und steuerfreie Überstunden – es klingt wie eine Mischung aus Wunschkonzert und Rechenaufgabe. Welche dieser Ideen es tatsächlich ins Gesetz schaffen, bleibt abzuwarten. Aber keine Sorge: Wir in der Entgeltabrechnung sind wie immer die Ersten, die es mitbekommen. Und die Letzten, die am Ende die Chaos-Formeln in saubere Lohnzettel verwandeln.

In diesem Sinne: Bleiben Sie wachsam, liebe Kolleginnen und Kollegen. Und falls jemand fragt, ob wir die Änderungen schon integriert haben, antworten Sie einfach mit dem neuen Lieblingssatz aller Abrechner: „Das steht noch immer zur Wahl.“

Markus Stier

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