Banner Online Kompaktkurse für fundiertes Wissen zu neuesten Gesesetzesänderungen und Abrechnungskriterien
Abo

Wirtschaft : Ausbildungsmarkt verliert an Dynamik

Kurz notiertMagazin
Lesezeit 2 Min.

Weniger neue Verträge, ein rückläufiges Ausbildungsangebot und eine niedrigere Übernahmequote: Die wirtschaftliche Unsicherheit wirkt sich zunehmend auch auf die Nachwuchsplanung der Unternehmen aus.

Der Ausbildungsmarkt steht weiter unter Druck. Aktuelle Auswertungen des IAB-Betriebspanels zeigen: Betriebe stellen weniger Ausbildungsplätze bereit, gleichzeitig bleiben viele Stellen unbesetzt. Hinzu kommt eine wachsende Zahl junger Menschen, die keinen Ausbildungsplatz finden.

Weniger Angebot, aber weiterhin Besetzungsprobleme

Dass der Anteil unbesetzter Ausbildungsplätze zurückgegangen ist, bedeutet noch keine Entspannung. Gleichzeitig haben die Betriebe ihr Ausbildungsangebot reduziert. Besonders angespannt bleibt die Situation im Baugewerbe, wo 2025 nahezu jeder zweite Ausbildungsplatz unbesetzt blieb.

Parallel dazu erreichte die Zahl der Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz einen neuen Höchststand. Damit zeigt sich erneut ein grundlegendes Passungsproblem: Unternehmen finden nicht immer geeigneten Nachwuchs, während auf der anderen Seite viele junge Menschen keinen passenden Ausbildungsplatz erhalten.

Unsicherheit beeinflusst Ausbildungsentscheidungen

Auch bei der Übernahme von Auszubildenden zeigt sich eine verhaltenere Entwicklung. Nach dem Rekordwert des Vorjahres ist die Übernahmequote 2025 gesunken. Auffällig ist dabei der Zusammenhang mit den Geschäftserwartungen: Betriebe mit positiven Aussichten übernehmen deutlich häufiger als Unternehmen, die mit einer schwächeren wirtschaftlichen Entwicklung rechnen.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sieht das Risiko, dass sich die Lage am Ausbildungsmarkt weiter verschärft. Bei anhaltend schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen könnte die Zahl neuer Ausbildungsverträge künftig sogar unter den bisherigen Tiefstand aus dem Jahr 2020 fallen.

Ausbildungsmarkt 2025 – die wichtigsten Zahlen

Ausbildungsmarkt 2025 – die wichtigsten Zahlen

2025

Veränderung

Neue Ausbildungsverträge

ca. 476.000

rund 10.000 weniger als 2024

Betriebliche Ausbildungsplätze

gut 530.000

-4,6 % gegenüber 2024

Übernahmequote

75 %

2024: 79 %

Unbesetzte Ausbildungsplätze

30 %

weiterhin hohes Niveau

Unbesetzte Plätze im Baugewerbe

49 %

höchster Branchenwert

Jugendliche ohne Ausbildungsplatz

rund 40.000

höchster Stand seit 2009

Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), IAB-Kurzbericht 13/2026, Datengrundlage IAB-Betriebspanel 2025.

Aus Unternehmenssicht reicht der Blick auf die aktuelle wirtschaftliche Lage jedoch nicht aus. Werden Ausbildungsplätze heute aus Kostengründen oder aufgrund unsicherer Geschäftsaussichten reduziert, kann sich diese Entscheidung erst Jahre später bemerkbar machen. Fehlende Ausbildungsjahrgänge lassen sich dann nicht kurzfristig ersetzen, insbesondere dann nicht, wenn qualifizierte Fachkräfte am Arbeitsmarkt ohnehin knapp sind.

Gleichzeitig zeigen die aktuellen Zahlen, dass mehr Ausbildungsplätze allein nicht ausreichen. Wenn Betriebe Nachwuchs suchen und gleichzeitig viele junge Menschen keinen Ausbildungsplatz finden, müssen auch Anforderungen, Recruitingwege und die Attraktivität der Ausbildungsangebote hinterfragt werden.

Ausbildung sollte deshalb nicht nur als aktuelle Kostenposition betrachtet werden. Sie ist Teil einer langfristigen Personal- und Fachkräftestrategie und damit eine Investition in die künftige Handlungsfähigkeit eines Unternehmens.

Diesen Beitrag teilen: