Wirtschaft : Ausbildungsmarkt verliert an Dynamik
Weniger neue Verträge, ein rückläufiges Ausbildungsangebot und eine niedrigere Übernahmequote: Die wirtschaftliche Unsicherheit wirkt sich zunehmend auch auf die Nachwuchsplanung der Unternehmen aus.
Der Ausbildungsmarkt steht weiter unter Druck. Aktuelle Auswertungen des IAB-Betriebspanels zeigen: Betriebe stellen weniger Ausbildungsplätze bereit, gleichzeitig bleiben viele Stellen unbesetzt. Hinzu kommt eine wachsende Zahl junger Menschen, die keinen Ausbildungsplatz finden.
Weniger Angebot, aber weiterhin Besetzungsprobleme
Dass der Anteil unbesetzter Ausbildungsplätze zurückgegangen ist, bedeutet noch keine Entspannung. Gleichzeitig haben die Betriebe ihr Ausbildungsangebot reduziert. Besonders angespannt bleibt die Situation im Baugewerbe, wo 2025 nahezu jeder zweite Ausbildungsplatz unbesetzt blieb.
Parallel dazu erreichte die Zahl der Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz einen neuen Höchststand. Damit zeigt sich erneut ein grundlegendes Passungsproblem: Unternehmen finden nicht immer geeigneten Nachwuchs, während auf der anderen Seite viele junge Menschen keinen passenden Ausbildungsplatz erhalten.
Unsicherheit beeinflusst Ausbildungsentscheidungen
Auch bei der Übernahme von Auszubildenden zeigt sich eine verhaltenere Entwicklung. Nach dem Rekordwert des Vorjahres ist die Übernahmequote 2025 gesunken. Auffällig ist dabei der Zusammenhang mit den Geschäftserwartungen: Betriebe mit positiven Aussichten übernehmen deutlich häufiger als Unternehmen, die mit einer schwächeren wirtschaftlichen Entwicklung rechnen.
Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sieht das Risiko, dass sich die Lage am Ausbildungsmarkt weiter verschärft. Bei anhaltend schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen könnte die Zahl neuer Ausbildungsverträge künftig sogar unter den bisherigen Tiefstand aus dem Jahr 2020 fallen.
Ausbildungsmarkt 2025 – die wichtigsten Zahlen
2025 | Veränderung | |
|---|---|---|
Neue Ausbildungsverträge | ca. 476.000 | rund 10.000 weniger als 2024 |
Betriebliche Ausbildungsplätze | gut 530.000 | -4,6 % gegenüber 2024 |
Übernahmequote | 75 % | 2024: 79 % |
Unbesetzte Ausbildungsplätze | 30 % | weiterhin hohes Niveau |
Unbesetzte Plätze im Baugewerbe | 49 % | höchster Branchenwert |
Jugendliche ohne Ausbildungsplatz | rund 40.000 | höchster Stand seit 2009 |
Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), IAB-Kurzbericht 13/2026, Datengrundlage IAB-Betriebspanel 2025.
Aus Unternehmenssicht reicht der Blick auf die aktuelle wirtschaftliche Lage jedoch nicht aus. Werden Ausbildungsplätze heute aus Kostengründen oder aufgrund unsicherer Geschäftsaussichten reduziert, kann sich diese Entscheidung erst Jahre später bemerkbar machen. Fehlende Ausbildungsjahrgänge lassen sich dann nicht kurzfristig ersetzen, insbesondere dann nicht, wenn qualifizierte Fachkräfte am Arbeitsmarkt ohnehin knapp sind.
Gleichzeitig zeigen die aktuellen Zahlen, dass mehr Ausbildungsplätze allein nicht ausreichen. Wenn Betriebe Nachwuchs suchen und gleichzeitig viele junge Menschen keinen Ausbildungsplatz finden, müssen auch Anforderungen, Recruitingwege und die Attraktivität der Ausbildungsangebote hinterfragt werden.
Ausbildung sollte deshalb nicht nur als aktuelle Kostenposition betrachtet werden. Sie ist Teil einer langfristigen Personal- und Fachkräftestrategie und damit eine Investition in die künftige Handlungsfähigkeit eines Unternehmens.


