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Betrieb & Familie: Homeoffice

Beim Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf spielt immer das Thema „Homeoffice“ eine große Rolle — zu Recht? Wir betrachten die Vor- und — ja, die gibt es auch — Nachteile dieser Beschäftigungsform einmal etwas näher.

Lesezeit 5 Min.

Was ist Homeoffice?

Das ist durchaus keine dumme Frage, denn es gibt viele Varianten und jeder versteht doch leicht etwas anderes darunter. Beim „richtigen“ Homeoffice vereinbaren Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Einrichtung eines Arbeitsplatzes im häuslichen Bereich des Beschäftigten. Damit ist eine ganze Reihe von Rechtsfolgen verbunden.

Anders sieht es aus, wenn der Beschäftigte nur gelegentlich — natürlich auch in Absprache mit dem Arbeitgeber — von zu Hause aus arbeitet. Beispielsweise wenn die öffentlichen Verkehrsmittel ausgefallen oder das Kind krank geworden ist.

Und dann gibt es da noch die Heimarbeit, die durch neue Beschäftigungsformen eine Renaissance erleben könnte (siehe Kasten).

Wieder da: die Heimarbeit Nach dem Heimarbeitsgesetz ist Heimarbeiter, wer in selbstgewählter Arbeitsstätte im Auftrag von Gewerbetreibenden erwerbsmäßig arbeitet, jedoch die Verwertung der Arbeitsergebnisse dem unmittelbar oder mittelbar auftraggebenden Gewerbetreibenden überlässt.

Geht nicht — gibt es auch!

Homeoffice wird oft als Allheilmittel angesehen. Dabei wird aber vergessen, dass es viele Bereiche gibt, in denen diese Beschäftigungsform gar nicht möglich ist. Eine Verkäuferin im Einzelhandel, ein Krankenpfleger oder ein Busfahrer können ihre Beschäftigung nicht in den häuslichen Bereich verlegen. In einigen anderen Bereichen ist es zumindest schwierig, wenn der — körperliche — Zugriff auf Ressourcen im Unternehmen erforderlich ist.

Klassisch und gut geeignet sind hingegen allgemeine Büro- und Sachbearbeitertätigkeiten, vielfach auch Kundenbetreuung am Telefon oder per E-Mail.

Eine Person mit Brille und kariertem Hemd sitzt ratlos an einem Schreibtisch und hält ein Stück Papier in der Hand. Im Hintergrund ist ein Aktenschrank mit Ordnern zu sehen.

Bei der Schaffung des Gesetzes standen natürlich andere Tätigkeiten im Vordergrund, gerade bei den modernen Tätigkeitsformen wie Softwareprogrammierung, Blog-Moderation u. Ä. kann durchaus die Heimarbeit zum Tragen kommen. Der Gesetzgeber sieht nämlich Heimarbeiter eben nicht als Selbstständige, sondern als schutzbedürftige arbeitnehmerähnliche Beschäftigte an. Bisher hat sich diese Sichtweise noch nicht überall durchgesetzt, das könnte aber nur eine Frage der Zeit sein.

Was ist anders beim Homeoffice?

Die Arbeit im Homeoffice unterscheidet sich vor allem in den Rahmenbedingungen von der klassischen Tätigkeit im Büro des Unternehmens. Da ist zunächst das Umfeld: Es fehlen die Kollegen, der unmittelbare Kontakt zum Vorgesetzten und gewisse Strukturen, die im Unternehmen jederzeit verfügbar sind. Deshalb müssen viele Dinge anders laufen.

Die Führung

Homeoffice stellt besondere Anforderungen an die Führungskraft. Denn — ähnlich wie bei einem Mitarbeiter im Außendienst — der Mitarbeiter ist im Homeoffice nicht ständig „im Zugriff“. Die Führung setzt Vertrauen voraus. Da Vertrauen gut, Kontrolle aber besser ist, müssen andere Instrumente genutzt werden. Die Vereinbarung von konkreten Zielen, die Vergabe genau definierter Aufgaben, das sind Möglichkeiten, um ein gutes Arbeitsergebnis im Homeoffice sicherzustellen.

Das bedeutet in erster Linie, dass man wegkommt von einer Fixierung auf die „abgesessene“ Arbeitszeit. Oder, um es mit einem früheren Bundeskanzler zu sagen: Entscheidend ist, was hinten rauskommt. Gerade mit dieser Devise tun sich viele Führungskräfte aber noch immer schwer. Es geht auch nicht immer. Bei bestimmten Tätigkeiten muss die Arbeitszeit fest geregelt werden, etwa wenn Kunden telefonisch betreut werden sollen. Diese müssen wissen, wann sie das Unternehmen (und damit den Homeworker) erreichen können. Andererseits erhöht die Beschäftigung im eigenen Hause die Bereitschaft, besondere Telefondienste, etwa am Wochenende oder nachts, zu übernehmen. Nicht zuletzt, weil dadurch die Fahrt ins Büro bzw. nach Hause insbesondere in den Abend- und Nachtstunden wegfällt.

Damit der Kontakt nicht abreißt und der Mitarbeiter im Homeoffice trotzdem ins Team integriert bleibt, sind regelmäßige Treffen und Arbeitsgespräche im Unternehmen erforderlich. Diese Kontakte sind wichtig, um eine Isolierung des Mitarbeiters und die Entfernung vom Unternehmen zu verhindern.

Technische Voraussetzungen

Bei der Arbeit von zu Hause muss die technische Anbindung an das Unternehmen durch Computer und Telefon sichergestellt sein. Gerade im ländlichen Raum gibt es noch immer Probleme mit dem schnellen Internet. Ist ein vernünftiger Zugriff mit akzeptabler Geschwindigkeit nicht gewährleistet, ist die Arbeit von zu Hause nicht möglich.

Nicht zu vergessen: der Datenschutz und die Datensicherheit. Findet die Arbeit zu Hause im heimischen Netzwerk statt, muss sichergestellt sein, dass dieses genauso sicher ist wie im Unternehmen. Ganz besonders gilt das natürlich, wenn sensible Kundendaten genutzt werden müssen. Zwingend sind beispielsweise eine ständige Datensicherung und die Nutzung eines VPN (Virtual Privat Network), das den Zugriff auf die übertragenen Daten von außen unmöglich macht.

Der Arbeitsplatz, auch im heimischen Bereich, muss den Vorgaben des Arbeitsschutzes entsprechen. Dafür ist der Arbeitgeber verantwortlich. Das bedeutet in der Folge, dass der Beschäftigte dem Arbeitgeber oder seinem Beauftragten Zugang zu seiner Wohnung erlauben muss. Das muss vertraglich abgesichert werden, sonst ist die Zustimmung zum Homeoffice seitens des Arbeitgebers nicht möglich.

Anforderungen an den Beschäftigten

Nicht nur an die Technik und die Führungskräfte sind besondere Anforderungen zu stellen, auch der Beschäftigte sollte über einige wichtige Kompetenzen verfügen. Dazu gehören zuallererst eine gute Selbstorganisation und die Fähigkeit zum konzentrierten Arbeiten.

Gerade wenn Kinder im Haushalt leben, muss durch entsprechende Maßnahmen eine ungestörte Arbeit sichergestellt sein.

Auch wichtig: Der Beschäftigte muss in der Lage sein, eine gute Trennung von Arbeit und Privatleben zu leben. Das gilt allerdings nicht nur für Mitarbeiter im Homeoffice, sondern generell für alle. Auch eine Führungsaufgabe: eine mögliche Überlastung frühzeitig erkennen und gegenlenken.

Gerade beim Umgang mit dem Computer sollte der Mitarbeiter über einige grundlegende Kenntnisse und eine gewisse Affinität zum Thema verfügen. Denn der Service des Unternehmens ist nicht vor Ort und nicht alle Probleme sind per Fernwartung lösbar. Wobei ein wichtiger Aspekt die Frage ist, ob der Beschäftigte einen eigenen Rechner nutzt oder ob ihm das Gerät vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt wird – alles Dinge, die vertraglich geregelt werden müssen. Denn das Unternehmen muss jederzeit zugriff auf „seine“ Daten haben. Liegen diese auf dem privaten Rechner des Mitarbeiters, wird es ohne vertragliche Regelung schwierig.

Vorteile

Nach all den Problemen und Notwendigkeiten sollten wir aber auch die Vorteile des Homeoffice betrachten. So weit möglich die flexible Verteilung der Arbeitszeit, der Wegfall der Fahrtzeiten zwischen Wohnung und Büro. Gerade bei Familien mit Kindern kann das Angebot von Homeoffice bei der Entscheidung von Fachkräften für das Unternehmen den Ausschlag geben.

Betriebsrat

Gibt es im Unternehmen eine Mitarbeitervertretung, so ist diese schon bei der Planung und der Aufstellung der erforderlichen Regelungen und Absprachen zu beteiligen. Insbesondere bei der Auswahl der Mitarbeiter für das Homeoffice sollte dem Betriebsrat ein größtmögliches Mitspracherecht eingeräumt werden. So könne Konflikte (Warum darf der und ich nicht?) vermieden werden.

Auf orangefarbenem Hintergrund und weißem Text sind die Ergebnisse der Befragung zum Thema Homeoffice zusammengefasst. Zu den wichtigsten Punkten zählen eine höhere Arbeitszufriedenheit, aber auch eine höhere psychische Belastung der Beschäftigten. Der Text nennt Vor- und Nachteile der Telearbeit.

 

Ein Mann mit Brille und Schnurrbart, der ein weißes Hemd, eine rote Krawatte und ein schwarzes Jackett trägt. Der Hintergrund ist geteilt, wobei die linke Seite grau und die rechte Seite orange ist. Der Text auf der orangefarbenen Seite lautet: „Jürgen Heidenreich, Fachautor und Fachjournalist. Schwerpunkte: Sozialversicherung und Personalwesen.“

 

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