EU-Kommission unter Druck : EU-Belegschaft fordert Entlastung und moderne Arbeitsmodelle
In der Brüsseler Verwaltung rumort es gewaltig. Mitarbeitende der EU-Kommission haben bei einer groß angelegten Mitarbeiterversammlung deutliche Signale gesendet: Die aktuelle Belastung ist nicht mehr tragfähig, und die Organisation steht an einem Wendepunkt.
Im Kern der Debatte steht die Forderung nach kürzeren Arbeitszeiten, mehr Flexibilität beim Arbeiten aus dem Ausland und wirksameren Schutzmechanismen gegen Burnout. Diese Rufe nach Entlastung treffen die Behörde just in einem Moment tiefgreifender Selbstprüfung der umfassenden Large Scale Review, die zentrale Arbeitsabläufe evaluieren und neu ausrichten soll.
Doch die Euphorie der Beschäftigten stieß schnell auf realpolitische Bremsklötze. Personal-Kommissar Piotr Serafin machte klar, dass die Reform unter dem Schatten angespannter Haushaltsverhandlungen stehe.
Neue Aufgaben ohne zusätzliche Ressourcen, dieses Muster werde sich wohl fortsetzen, so Serafin. Sein Versuch, 2.500 zusätzliche Stellen im neuen Finanzrahmen zu verankern, sei zuletzt im Rat nahezu einhellig zurückgewiesen worden.
Währenddessen wurde im digitalen Raum der Mitarbeiterversammlung der Unmut greifbar. Von „permanenter Überlastung“ und „extremer Arbeitsbelastung“ war die Rede. Die „Mehr mit weniger“-Mentalität, ein Dauerbrenner in EU-internen Diskussionen, wurde erneut frontal kritisiert. Fehlendes Vertrauen, Informationsabschottung und ein zunehmender emotionaler Rückzug vieler Kolleginnen und Kollegen prägten die Wortmeldungen.
Wenig Spielraum zeigte Serafin auch bei der Forderung nach 30 Tagen Homeoffice aus dem Ausland. Die bestehende Grenze von zehn Tagen bleibe unverändert.
Auf der Führungsebene betonten Stephen Quest, oberste Personalchef der Kommission, und sein Team, man nehme das Wohlbefinden der Mitarbeitenden ernst. Gleichwohl sei die Large Scale Review keine klassische Personalreform, auch wenn bestehende Regelungen auf den Prüfstand kommen könnten.
Für zusätzliche Spannung sorgte die Diskussion um Catherine Day, die die externe Expertise für die Überprüfung koordiniert. Nach Kritik an angeblichen Aussagen über mögliche Abschaffungen unbefristeter Stellen stellte sie klar, falsch zitiert worden zu sein. Auch Rückfragen zur Altersstruktur und Repräsentativität der Expertengruppe wiesen auf ein generelles Bedürfnis nach mehr Nähe zur aktuellen Arbeitsrealität hin.
Die finalen Empfehlungen sollen Ende 2026 an Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen übergeben werden, doch der Erwartungsdruck ist bereits heute unübersehbar. Die Belegschaft signalisiert klar: Ein „Weiter so“ ist kein tragfähiges Zukunftsszenario für die europäische Verwaltung.


