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Vier Fragen an Lutz Sperr

Wie gelingt langfristige Mitarbeiterbindung im Familienunternehmen? Hotelier Lutz Sperr erklärt im Interview, warum persönliche Wertschätzung, gemeinsame Weiterbildung und die Beteiligung von Beschäftigten wichtiger sind als außergewöhnliche Benefits.

Markus StierFokus
Lesezeit 2 Min.

Herr Sperr, 25 Jahre Betriebszugehörigkeit mit einer Mittelmeerkreuzfahrt für die Mitarbeiterin und ihre Familie zu würdigen, ist alles andere als alltäglich. Warum ist Ihnen eine solche Form der Anerkennung wichtig?

Wer 25 Jahre in einem Unternehmen arbeitet, hat einen erheblichen Teil seines Berufslebens mit diesem Unternehmen verbracht und dessen Entwicklung mitgetragen. Das ist für uns keine Selbstverständlichkeit. Deshalb wollten wir nicht einfach nur Blumen überreichen oder eine Urkunde aushändigen, sondern ganz bewusst Danke sagen. Dabei geht es gar nicht darum, dass Anerkennung immer besonders groß oder außergewöhnlich sein muss. Entscheidend ist, dass sie ehrlich gemeint ist und beim Mitarbeiter auch so ankommt. Mitarbeiterbindung entsteht aus meiner Sicht nicht durch einzelne Maßnahmen, sondern durch den täglichen Umgang miteinander.

Für die Einführung einer neuen Hotelsoftware haben Sie Ihre Mitarbeiterinnen nicht nur frühzeitig eingebunden, sondern die notwendige Schulung gleich mit einer dreitägigen gemeinsamen Veranstaltung in Leogang verbunden. Warum dieser Aufwand?

Eine neue Software funktioniert am Ende nur dann gut, wenn diejenigen, die täglich damit arbeiten, sie akzeptieren und sicher beherrschen. Deshalb war für uns klar, dass wir die Mitarbeiterinnen von Anfang an einbeziehen. Gleichzeitig wollten wir aus der notwendigen Schulung mehr machen als eine reine Pflichtveranstaltung. Wenn wir uns mehrere Tage bewusst Zeit nehmen, können wir fachliche Themen intensiver bearbeiten und gleichzeitig als Team zusammenkommen. Weiterbildung kostet natürlich Geld und Arbeitszeit. Ich sehe sie aber vor allem als Investition. Wer von seinen Mitarbeitern gute Arbeit erwartet, muss ihnen auch die Möglichkeit geben, sich fachlich weiterzuentwickeln.

Fachkräftemangel, Homeoffice, Digitalisierung und immer neue BenefitProgramme bestimmen die Diskussion um Mitarbeiterbindung. Was ist aus Ihrer Erfahrung tatsächlich entscheidend, damit Menschen einem Unternehmen langfristig verbunden bleiben?

Natürlich müssen Vergütung und Arbeitsbedingungen stimmen. Aber ich glaube nicht, dass man Mitarbeiter allein mit Benefits langfristig an ein Unternehmen binden kann. Menschen möchten ernst genommen werden, Verantwortung übernehmen und wissen, dass ihre Arbeit gesehen wird. Dazu gehört für mich auch, Mitarbeiter bei Veränderungen einzubeziehen, ihnen Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten und persönliche Begegnungen zu ermöglichen. Gerade weil heute vieles digitaler und flexibler geworden ist, gewinnt das persönliche Miteinander aus meiner Sicht sogar an Bedeutung.

Am Ende entsteht Bindung dort, wo Menschen gern arbeiten und das Ge fühl haben, wirklich Teil des Unternehmens zu sein.

Herr Sperr, Sie sind Hotelier, Unternehmer und vor allem Gastgeber. Was bedeutet „Gastgeber sein“ für Sie persönlich?

Gastgeber zu sein, bedeutet für mich, dass Menschen sich bei uns wohl fühlen und gern wiederkommen. Das gilt für unsere Gäste genauso wie für unsere Mitarbeiter. Gastfreundschaft beginnt für mich deshalb nicht erst an der Rezeption oder im Restaurant, sondern im täglichen Miteinander. Wer anderen Wertschätzung entgegenbringen möchte, muss sie auch im eigenen Team leben. Vielleicht ist genau das eines der Geheimnisse eines Familienbetriebes: Wir arbeiten nicht nur miteinander, wir gestalten gemeinsam einen Ort, an dem sich Menschen willkommen fühlen sollen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte unser Chefredakteur Markus Stier.                                                      www.roessle-rechenberg.de

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