Stier meint …!
Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber beim Blick auf den Wahlkampf in den Vereinigten Staaten von Amerika weiß man nicht, ob man darüber lachen oder weinen soll. Nun ist in den USA bekanntermaßen alles ein bisschen anders als bei uns und am Ende ist es nicht unsere Wahlentscheidung, aber dennoch hat es auch Auswirkungen auf uns in Deutschland.
Joe Biden ist mit 81 Jahren bereits jetzt der älteste amtierende Präsident in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Mit seinem Verzicht auf eine erneute Kandidatur machte er den Weg frei für die Vize-Präsidentin und neue Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris. Ihr Herausforderer Donald Trump macht mit 78 Jahren jedenfalls gesundheitlich noch einen besseren Eindruck als der amtierende Präsident Joe Biden. Die Gründe, warum viele US-Amerikaner ihn als ungeeignet für das Präsidentenamt sehen, sind derweil eher strafrechtlicher Natur. Mit der 59 Jahre alten Kamala Harris würde erstmals in der Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika eine Frau ins Weiße Haus einziehen..
Vor dem Rückzug von Joe Biden hatte eine Umfrage der New York Times und des Siena College gezeigt, wie groß die Bedenken in Bezug auf das Alter der damaligen Kandidaten wirklich sind. 74 Prozent der registrierten Wähler glauben, dass Biden „einfach zu alt ist, um ein effektiver Präsident zu sein“, verglichen mit 43 Prozent, die dasselbe über Donald Trump denken. Interessanterweise finden rund 61 Prozent derjenigen, die 2020 für Biden gestimmt haben, dass Trump jetzt zu alt ist, obwohl dieser nun ein ähnliches Alter erreicht hat wie Biden bei seiner Wahl zum US-Präsidenten.
Nun wird mit Kamala Harris die Diskussion über das Alter der Kandidaten wohl etwas in den Hintergrund geraten. Ende August wählen die Demokraten offiziell den Präsidentschaftskandidaten bzw. die Präsidentschaftskandidatin.
Bei den Republikanern wurde Donald Trump in einer fulminanten Show zum offiziellen Kandidaten für das Amt des Präsidenten gekürt. Ein Event der Superlative. Nun kennen wir aus Amerika ohnehin die großen Shows:
Verleihung des Oscars, Super Bowl und Parteitage. In Deutschland unvorstellbar, dass ein solches Spektakel abgeliefert wird. In den Vereinigten Staaten von Amerika ist es Normalität. Ich kann es mir nicht vorstellen, in meinen Vorgarten Pappschilder zu stellen, auf denen ich zur Wahl eines Kandidaten einer Partei aufrufe. Sie etwa? Nun gut, eine solche Maßnahme kann man sich noch gefallen lassen, aber was da beim republikanischen Parteitag geliefert wurde, ist dann doch zu viel für uns in Deutschland. Schon der Auftritt von Donald Trump kam einem Gladiatoreneinzug gleich. Nun sind für Amerikaner Bilder und Emotionen von entscheidender Bedeutung. Daher wurde mit emotionalen Momenten auch nicht gegeizt. Hulk Hogan huldigte in einer bizarren Rede Donald Trump und riss sich am Ende noch das T-Shirt vom Leib, unter dem ein Schriftzug mit Donald Trump erschien. Dieser selbst strahlte über beide Ohren.
Stellen Sie sich einmal vor, bei einem Parteitag stehen Helene Fischer oder Roland Kaiser auf der Bühne, halten eine flammende Rede (was nun nicht negativ wäre) und reißen sich am Ende ihrer Rede das T-Shirt vom Leib, unter dem steht „Scholz muss Kanzler bleiben“.
Nun gut, es hätte einen gewissen Spaßfaktor. Aber würde Sie diese Aktion am Ende überzeugen? Ich glaube, wir würden alle verwundert zurückbleiben.
Am Ende hatte der Parteitag der Republikaner dann doch eher etwas von einer Krönungszeremonie. Die Briten werden fast schon neidisch bei so viel Pomp und Gloria. Und als dann doch alles zu Ende war, regnete es tausende bunte Luftballons von der Hallendecke.
Ich stelle mir gerade einen Parteitag von Bündnis 90/Die Grünen vor, bei dem es am Ende tausende grüne Luftballons regnet. Nun gut, ich bin schon zu sehr von den amerikanischen Wahlkämpfen beeinflusst. Denn schließlich waren es auch die Grünen, die sich für ein Luftballonverbot eingesetzt haben.
Abschließend komme ich dann doch noch einmal auf Hulk Hogan zurück. Mal sehen, wer sich für unsere Kanzlerkandidaten oder Kanzlerkandidatinnen das T-Shirt vom Körper reißt.
In diesem Sinne … warten wir es ab!

