Lass uns Freunde bleiben : Die Kündigung ist ausgesprochen
Warum haben Sie sich nach einem neuen Job umgesehen? Lag es an der Unzufriedenheit mit der Arbeit an sich oder am sozialen Umfeld, also den Kolleg*innen und Vorgesetzen? Fehlende Aufstiegschancen, unpassende Aufgaben oder zu niedriges Gehalt wiegen schwer, dennoch geht eine Kündigung nicht leicht von der Hand und wird hinausgezögert — vor allem, wenn man sich im Team wohlfühlt und die Kolleg*innen gerne mag. Team toll, Aufgabe mau … Das soziale Gefüge ist ein wesentlicher Faktor, wie eine von YouGov durchgeführte Umfrage ergab: Demnach bleibt jeder fünfte Mitarbeiter trotz Unzufriedenheit noch im Unternehmen, weil er sich nicht vom Team trennen möchte. Wenn Sie sich trotzdem zu einer Kündigung durchgerungen haben, beginnt eine schwierige Phase. Es gilt nicht nur, alle Aufgaben bis zum letzten Arbeitstag zu erledigen, Sie möchten womöglich auch einen Weg finden, mit den liebgewonnenen Kolleg*innen in dieser Zeit und darüber hinaus umzugehen. Mit den folgenden Tipps können Sie den Trennungsschmerz vermeiden und den Übergang ins neue Team gut meistern.
Ich gehe! Wie sag ich´s dem Team?
Der Entschluss ist gefasst, Sie möchten kündigen. Die nächste Herausforderung: Sie müssen die Kündigung Ihren Vorgesetzten vorlegen. Die Führungsebene muss unbedingt zuerst Bescheid wissen. Wer sich bereits vorher Mitarbeiter*innen anvertraut hat, riskiert, dass hinter dem Rücken getuschelt wird und die Chefetage schon vorab von Ihrer Absicht erfährt — und Ihnen dies vielleicht negativ auslegt. Erst im zweiten Schritt dürfen Sie Ihre Kolleg*innen informieren — und das sollten Sie persönlich tun. Das kann in der großen Runde in einem Meeting sein, wenn es sich um eine große Belegschaft handelt. Eine schöne Geste ist es, sich bei der Gelegenheit sowohl bei den Vorgesetzten als auch beim Team für die Zusammenarbeit zu bedanken. Mit den engeren Kollegen, mit denen Sie mehr als nur eine gute Zusammenarbeit verbindet, empfiehlt sich ein persönliches Gespräch.
Es ist wichtig, dass Sie für die Übergangszeit zwischen der Kündigung und dem Verlassen des Unternehmens gemeinsam mit dem Team eine gute Strategie ausarbeiten, die die Abwicklung Ihrer Aufgaben und die Übergabe an Ihren Nachfolger regelt. „Nach mir die Sintflut“ hat sich als Strategie nicht bewährt. Zeigen Sie bis zum Schluss Engagement, Leistungsbereitschaft und Teamgeist. So hinterlassen Sie einen professionellen Eindruck. Das ist nicht zuletzt auch dann wichtig, wenn ein potenzieller neuer Arbeitgeber sich in dieser Zeit über Sie informiert. Vor allem zeigt es aber dem Team, dass Ihnen die Zusammenarbeit und die Kollegialität wirklich am Herzen liegen.

Kollegen bleiben Freunde
Ihre Kolleg*innen verlieren Sie als Teammitglied. Zusätzlich zum alltäglichen Workflow und der Übergabe Ihrer Aufgaben kommt die Unsicherheit, ob, und wenn ja mit wem, Ihr Posten neu besetzt wird.
Alle müssen mit Ihrem lange überlegten Entschluss zurechtkommen. Das ist für alle Beteiligten eine Ausnahmesituation und stellt eine Belastungsprobe dar.
Sie haben zu einer oder mehreren Personen des Teams eine mehr als kollegiale Beziehung und Sie würden sich als Freunde bezeichnen? Wunderbar! Allerdings verlieren diese Sie zudem noch als vertraute Person im Arbeitsumfeld. Achten Sie in der Übergangszeit daher ganz besonders auf gute Absprachen und saubere Übergaben mit ihnen, damit die Freundschaft nicht durch nachlässiges Arbeitsverhalten getrübt wird. In der Übergangszeit nach der Kündigung sollten Sie sich genau bewusst machen, worauf Ihre Freundschaft begründet ist. Warum mögen Sie sich? Ist es „nur“ das gemeinsame Durchstehen schwieriger Projekte oder das Zusammenhalten gegenüber anstrengenden Kollegen? Oder haben Sie auf privater Basis zu einer Freundschaft gefunden? Machen Sie sich die Aspekte bewusst.

Stellen Sie sich auch darauf ein, dass die befreundeten Kollegen nicht wohlwollend, sondern verletzt reagieren könnten. Machen Sie ihnen deutlich, dass Sie die Kündigung nicht aus persönlichen Gründen ausgesprochen haben, und erklären Sie, warum Ihnen eine weitergehende Freundschaft wichtig ist.
Vorsicht!
Seien Sie in der Übergangszeit besonders achtsam in privaten Gesprächen mit den befreundeten Kollegen. Vermutlich werden Sie über Ihre Kündigungsgründe sprechen — machen Sie sich aber bewusst, dass ihr Gesprächspartner ja noch im Unternehmen bleibt. Jetzt vom Leder zu ziehen, wäre zwar verständlich, ist aber gegenüber den Kollegen unfair, wenn nicht gar geringschätzend. Wenn Sie Verbesserungsvorschläge für das Unternehmen haben, dann gehen Sie diese so konstruktiv wie möglich an.
Nach dem Austritt
Sie sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. Rufen Sie sich ins Bewusstsein, ob Sie eine Verschwiegenheitsklausel (Non Disclosure Agreement, NDA) unterschrieben haben. Was genau fällt unter das Geschäftsgeheimnis und wie lange gilt die Geheimhaltungsabrede? Über die geheim zu haltenden Informationen dürfen Sie auch mit den befreundeten Exkolleg*innen nicht (mehr) sprechen, sonst droht Ihnen im schlimmsten Fall eine Vertragsstrafe. Weder dürfen Sie aktiv nachfragen, noch dürfen die Exmitarbeiter*innen „im Vertrauen“ plaudern.
Umso wichtiger, dass Sie Ihre Freundschaft auf den Aspekten außerhalb des Arbeitsumfeldes ausbauen. Auch sollten Sie sich nicht dazu verleiten lassen, über unbeliebte Kollegen herzuziehen, da Sie ja jetzt aus dem Dunstkreis verschwunden sind. Halten Sie sich vor Augen, dass sich in Ihrem neuen Kollegenkreis Verbindungen zu vorigen Kollegen finden können, die Sie im Moment noch nicht kennen.
Im neuen Team
Am neuen Arbeitsplatz prasseln viele neue Eindrücke auf Sie ein. Natürlich ist es in erster Linie wichtig, sich gut in den neuen Job einzuarbeiten. Sie stehen jedoch auch vor einem völlig neuen Kollegenkreis. In das neue Gefüge müssen Sie sich behutsam einfinden. Auch wenn Sie bei Ihrem vorigen Arbeitgeber Freundschaften schließen konnten — Sie sind zuallererst als neues Teammitglied eingestellt und sollten neue Beziehungen auf möglichst professioneller und kollegialer Ebene aufbauen.
Hier gilt selbstverständlich noch die Verschwiegenheitspflicht gegenüber dem vorigen Arbeitgeber. Und: Bringen Sie Ihren alten Frust nicht mit ins neue Team. Sprechen Sie nicht schlecht über Ihre vorige Stelle. Gehen Sie offen auf Ihre neuen Mitarbeiter*innen zu – diese haben ja vielleicht eben einen beliebten Kollegen verabschiedet.
Machen Sie sich bewusst, dass Sie es nicht nur mit Kollegen zu tun haben, sondern vor allem mit Menschen. Wahren Sie die Professionalität in den beruflichen Belangen, aber zeigen Sie sich auch als Mensch im verantwortungsvollen Umgang miteinander.


