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Stier meint …!

Manchmal frage ich mich, ob im Bundesfinanzministerium (BMF) eigentlich ein kleines Türchen im Adventskalender steht, hinter dem jeden November eine ganz besondere Überraschung wartet. Während sich draußen die Republik mit Glühwein, Plätzchen und den üblichen Jahreswechsellisten beschäftigt, zieht im Ministerium offenbar jemand den Stecker aus der Schublade und denkt sich: Jetzt wäre doch ein guter Moment für ein neues Schreiben zur Elektromobilität. Und zwar nicht irgendeines, sondern eines, das gleich eine ganze Reihe mühsam gepflegter Routinen im Lohnbüro einmal kräftig durcheinanderwirbelt.

Markus StierMagazin
Lesezeit 2 Min.
Eine schwarzweiße Strichzeichnung des Gesichts eines Mannes mit kurzen Haaren und Brille. Die Illustration ist minimalistisch und klar gehalten und konzentriert sich mit einfachen Linien auf die wichtigsten Gesichtszüge.

Mit dem Schreiben vom 11.11.2025 wird nämlich pünktlich zur heißen Phase des Jahreswechsels die komplette Welt der Strompauschalen, Wallboxen und Ladekilowattstunden neu sortiert. Die Strompauschalen, die wir gerade erst in unsere Unterlagen eingearbeitet hatten und die seit 2019 brav ihren Dienst getan haben, verschwinden sang- und klanglos zum Jahresende. Eine Übergangsregel wäre ja langweilig gewesen. Stattdessen gilt: ab Januar alles anders. Frohe Weihnachten.

Das BMF stellt gleichzeitig klar, wie häusliche Ladevorgänge nun zu behandeln sind. Getankt wird daheim nur noch mit sauber nachgewiesenen Strommengen, gemessen am separaten Zähler, vom Ministerium persönlich gewünscht.

Und wenn man schon bei Präzision ist, darf gern noch der dynamische Stromtarif berücksichtigt werden, die Photovoltaikanlage, der Grundpreis und alles, was sonst noch Freude bereitet. Oder man nimmt die neue Strompreispauschale. Die ist zwar einfacher, aber dafür jedes Jahr festzulegen, und natürlich nur einheitlich für das ganze Kalenderjahr. Damit es nicht zu gemütlich wird.

Und mitten in dieser Regelungsflut sitzen die Lohnbüros des Landes und murmeln im Chor, was sie schon bei anderen spontanen Einfällen aus Berlin gesagt haben. Ernsthaft jetzt. Genau jetzt. Im November, kurz vor Abgabe der Unterlagen, kurz vor Druckfreigabe, kurz bevor man sich eigentlich auf die klassischen Jahreswechselthemen konzentrieren wollte.

Gedruckte Seminarunterlagen, die mit viel Mühe erstellt wurden. Arbeitsanweisungen, die gerade frisch aktualisiert sind. Schulungsfolien, die bereits in den Postkörben liegen. Alles einmal zurück auf Los, bitte neu sortieren, überarbeiten, drucken. Effizienter und ökologischer wollte man doch werden. Und genau an dieser Stelle hätte ich einen freundlichen Hinweis an das Ministerium. Vielleicht einfach mal selbst anfangen. Nur so als Idee.

Dabei ist das Schreiben an sich fachlich solide und bringt tatsächlich Klarheit. Die völlig veralteten Pauschalen verschwinden, die Nachweisregelungen werden modernisiert, und die Strompreispauschale ist wirklich ein Fortschritt.

Nur eben ein Fortschritt, der in exakt dem Moment veröffentlicht wird, in dem die Branche am wenigsten Luft hat. Es ist ein bisschen, als würde jemand kurz vor Heiligabend entscheiden, dass der Tannenbaum ab jetzt quer stehen muss statt senkrecht. Man kann das machen, aber die Stimmung steigt dadurch nicht unbedingt.

Unterm Strich bleibt: Die Lohnbüros müssen wieder einmal schneller reagieren, als das Ladekabel einrastet. Systeme anpassen, Prozesse überdenken, Zählerstände dokumentieren, Seminare umschreiben. Und vielleicht gleichzeitig ein tiefes, ruhiges Atmen üben. Denn eines ist sicher. Das nächste Schreiben kommt bestimmt. Und vermutlich wieder dann, wenn alle denken: Jetzt wäre wirklich keine Zeit dafür.

Falls im BMF jemand mitliest: Die Branche hätte einen ganz einfachen Wunsch. Nicht mehr Effizienz predigen, sondern einmal damit anfangen. In diesem Sinne … weitermachen, mit einem leicht genervten, aber traditionell gelassenen Lächeln.

Markus Stier

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