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Ausbildungsmarkt : Weniger Stellen, mehr Suchende und wachsende Passungsprobleme

Der Ausbildungsmarkt 2024/25 verschärft sich weiter: weniger Ausbildungsstellen, mehr Suchende und die größten Passungsprobleme seit über 25 Jahren. 54.000 Plätze bleiben unbesetzt, während 40.000 Jugendliche ohne Ausbildungsstelle dastehen. Regionale Unterschiede, Mobilitätshemmnisse und veränderte Berufswünsche treiben die Schere zwischen Angebot und Nachfrage auseinander.

AusbildungKurzmeldungenMagazin
Lesezeit 2 Min.

Der Ausbildungsmarkt bleibt auch 2024/25 ein Spiegelbild der wirtschaftlichen Schwäche und strukturellen Schieflagen. Während die Zahl der Jugendlichen, die aktiv eine Ausbildung suchen, zunimmt, bricht das Angebot an Ausbildungsstellen weiter ein. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) spricht vom schlechtesten Matching seit mehr als 25 Jahren.

Von Oktober 2024 bis September 2025 meldeten Betriebe und öffentliche Träger insgesamt 494.000 Ausbildungsstellen, ein Rückgang um 25.000 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Besonders betroffen waren die betrieblichen Stellen, die mit 477.000 Plätzen traditionell den Markt prägen. Gleichzeitig nahmen 444.000 Jugendliche die Ausbildungsvermittlung in Anspruch, rund 13.000 mehr als im Vorjahr. Das bedeutet: Die Nachfrage steigt, das Angebot sinkt.

Trotz dieses Missverhältnisses gibt es weiterhin unbesetzte Stellen. Am Stichtag 30.09. blieben 54.000 Ausbildungsplätze frei, vor allem in Lebensmittelberufen, dem Bau- und Ausbaugewerbe, der Gastronomie, in Metallberufen, der Orthopädie- und Rehatechnik, der medizinischen Assistenz und in der Transportlogistik. Viele dieser Branchen kämpfen seit Jahren mit Nachwuchsmangel und Attraktivitätsproblemen.

Parallel dazu standen 40.000 Jugendliche ohne Ausbildungsplatz da, 9.000 mehr als im Vorjahr. Damit blieb knapp jeder zehnte registrierte Bewerber unversorgt. Diese Entwicklung verdeutlicht, wie stark die Passungsprobleme zwischen Angebot und Nachfrage gewachsen sind: Regionale Ungleichgewichte, fehlende Mobilität, unterschiedliche Qualifikationsprofile und ein verändertes Berufswahlverhalten verschärfen das Auseinanderdriften.

Auch der Verbleib der Bewerberinnen und Bewerber unterstreicht die Schieflage: Nur 191.000 Jugendliche begannen bis Ende September tatsächlich eine Ausbildung, 7.000 weniger als im Vorjahr. 43 Prozent erhielten damit einen Ausbildungsplatz. Der Rest wählte Übergangslösungen oder wich auf Alternativen aus: weitere Schulbildung, Studium, Praktika, geförderte Qualifizierungen oder Arbeitsaufnahme. Rund 13 Prozent der jungen Menschen sind gar nicht mehr erreichbar oder meldeten keinen Verbleib zurück.

Hinzu kommt eine zweite Gruppe, die im System „steckenbleibt“: 44.000 Jugendliche, die zwar eine Alternative gefunden haben, aber weiter eine Ausbildung suchen. Auch ihre Zahl wächst, ein deutlicher Hinweis darauf, dass die eigentliche Integration in den Ausbildungsmarkt zunehmend scheitert.

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) setzt ihre Vermittlungsaktivitäten bis mindestens zum Jahresende fort. Erfahrungsgemäß melden sich sowohl weitere interessierte Jugendliche als auch Betriebe, deren Ausbildungsplätze kurzfristig frei werden. Mit ergänzenden Angeboten wie Einstiegsqualifizierungen, außerbetrieblichen Ausbildungsstellen oder berufsvorbereitenden Maßnahmen stehen zusätzliche Zugänge offen.

Trotzdem ist klar: Das strukturelle Problem bleibt bestehen. Der Ausbildungsmarkt produziert auf der einen Seite wachsende Lücken – und auf der anderen Seite steigende Frustration. Für junge Menschen bedeutet das verpasste Chancen. Für Betriebe bedeutet es unbesetzte Fachkräfte von morgen. Für die Politik wächst der Druck, berufliche Orientierung, Mobilität, Vermittlung und Ausbildungsqualität neu auszurichten und zu modernisieren.

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