Künstliche Intelligenz auf dem Vormarsch in deutschen Unternehmen
Bitkom-Studie zeigt: 41 Prozent der deutschen Unternehmen nutzen bereits KI aktiv. Drei Viertel berichten von verbesserter Wettbewerbsposition. Größte Hindernisse bleiben Datenschutz und Fachkräftemangel.

KI-Nutzung in Unternehmen steigt rasant
Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz nimmt in deutschen Unternehmen deutlich zu. Nach einer aktuellen repräsentativen Befragung des Digitalverbands Bitkom nutzen inzwischen 41 Prozent der Unternehmen mit mindestens 20 Beschäftigten KI bereits aktiv. Weitere 48 Prozent planen den Einsatz oder befinden sich noch in einer Diskussionsphase. Noch vor einem Jahr lag der Anteil der Unternehmen mit aktiv eingesetzter KI lediglich bei 17 Prozent, während 40 Prozent über einen möglichen Einsatz nachdachten.
Messbarer Nutzen: Verbesserte Wettbewerbsposition durch KI
Für viele Unternehmen zeigt sich bereits ein konkreter Nutzen. Drei Viertel der Unternehmen, die KI einsetzen, berichten von einer verbesserten Wettbewerbsposition. Mehr als die Hälfte der Befragten sieht zudem einen messbaren Beitrag der Technologie zum Unternehmenserfolg. Zwei Drittel der Unternehmen planen darüber hinaus, den Einsatz von KI künftig weiter auszubauen.
Digitalisierung bringt überwiegend Vorteile
Insgesamt bewerten Unternehmen ihre digitale Transformation bislang überwiegend positiv. 77 Prozent geben an, dass ihnen die Digitalisierung eher Vorteile gebracht hat, 16 Prozent sprechen sogar von großen Vorteilen.
Deutschland im internationalen Vergleich nur Mittelfeld
Trotz dieser positiven Einschätzung sehen viele Unternehmen Deutschland im internationalen Vergleich nur im Mittelfeld der Digitalisierung. Lediglich 10 Prozent ordnen die deutsche Wirtschaft weltweit in der Spitzengruppe ein. 16 Prozent sehen Deutschland unter den Nachzüglern und 7 Prozent sogar deutlich abgeschlagen. Die Mehrheit von 63 Prozent verortet die deutsche Wirtschaft im Mittelfeld. Gleichzeitig betrachten 78 Prozent der Unternehmen die aktuelle wirtschaftliche Krise auch als Folge einer zu zögerlichen Digitalisierung.
Digitalisierung als Herausforderung und Bedrohung
Für viele Betriebe bleibt die Umsetzung digitaler Prozesse eine Herausforderung. Jedes zweite Unternehmen hat Schwierigkeiten, die Digitalisierung zu bewältigen. Für 13 Prozent stellt sie sogar eine existenzielle Bedrohung dar. Zudem stellen 65 Prozent fest, dass Wettbewerber aus der eigenen Branche, die frühzeitig auf Digitalisierung gesetzt haben, inzwischen einen Vorsprung aufgebaut haben. Jedes fünfte Unternehmen sieht seine Marktstellung durch aufstrebende Startups gefährdet.
Geschäftsmodelle im Wandel
Digitalisierung verändert zunehmend auch Geschäftsmodelle. 42 Prozent der Unternehmen geben an, dass sich ihr Geschäftsmodell infolge der Digitalisierung verändert hat. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Nutzung vorhandener Daten. Ein Drittel der Unternehmen nutzt dieses Potenzial bereits, 5 Prozent schöpfen es nach eigenen Angaben vollständig aus. Gleichzeitig geben jedoch 61 Prozent an, ihre vorhandenen Daten bislang kaum oder gar nicht zu nutzen. 48 Prozent nutzen das Potenzial nur in geringem Umfang, 13 Prozent gar nicht. Von den Unternehmen, die ihr Datenpotenzial derzeit nicht ausschöpfen, haben 29 Prozent bereits Maßnahmen eingeleitet, um dies zu ändern. Weitere 43 Prozent planen entsprechende Schritte oder diskutieren darüber.
Entwicklung digitaler Produkte wird leichter
Auch bei der Entwicklung digitaler Produkte und Dienstleistungen zeigen sich Fortschritte. 23 Prozent der Unternehmen geben an, dass ihnen die Entwicklung neuer digitaler Angebote leichtfällt. Im Vorjahr lag dieser Anteil noch bei 16 Prozent. Gleichzeitig berichten 40 Prozent, dass ihnen diese Entwicklung schwerfällt, nach 51 Prozent im Jahr zuvor. Unverändert entwickelt rund ein Drittel der Unternehmen überhaupt keine digitalen Produkte oder Dienstleistungen.
Digitale Umsätze gewinnen an Bedeutung
Digitale Umsätze gewinnen ebenfalls an Bedeutung. Nur 6 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, in fünf Jahren kein Digitalgeschäft zu haben. 9 Prozent erwarten, mindestens die Hälfte ihres Umsatzes digital zu erzielen. Die Mehrheit rechnet mit einem Anteil digitaler Umsätze zwischen 10 und 50 Prozent. 8 Prozent erwarten weniger als 10 Prozent Digitalumsatz. Rund jedes fünfte Unternehmen kann oder will hierzu derzeit keine Prognose abgeben.
Zusammenarbeit mit Startups noch selten
Trotz zunehmender Konkurrenz durch Startups ist die Zusammenarbeit mit ihnen bislang eher selten. Zwei Drittel der Unternehmen arbeiten überhaupt nicht mit Startups zusammen. 31 Prozent kooperieren in unterschiedlicher Form. 2 Prozent haben selbst ein Startup gegründet, 3 Prozent betreiben eigene Programme wie Inkubatoren oder Akzeleratoren und 9 Prozent sind finanziell an Startups beteiligt. 14 Prozent entwickeln gemeinsam mit Startups Produkte oder Dienstleistungen, während 28 Prozent auf andere Weise mit ihnen zusammenarbeiten, etwa über Gründerwettbewerbe.
Investitionsbereitschaft steigt trotz schwieriger Lage
Die Investitionsbereitschaft in Digitalisierung steigt trotz der wirtschaftlich schwierigen Rahmenbedingungen weiter an. 36 Prozent der Unternehmen planen, ihre Investitionen im Jahr 2026 zu erhöhen. Im Jahr 2025 lag dieser Anteil noch bei 29 Prozent, 2024 sogar nur bei 21 Prozent. Gleichzeitig wollen lediglich 13 Prozent ihre Investitionen reduzieren. Im Jahr 2025 waren es noch 25 Prozent, im Jahr 2024 sogar 30 Prozent. 51 Prozent der Unternehmen planen, ihr Investitionsniveau beizubehalten.
Datenschutz und Fachkräftemangel als größte Hindernisse
Als größte Hindernisse für die Digitalisierung nennen die Unternehmen vor allem Anforderungen im Bereich Datenschutz sowie den Fachkräftemangel. 77 Prozent sehen den Datenschutz als Herausforderung, 70 Prozent den Mangel an qualifizierten Fachkräften. Weitere Hürden sind Anforderungen an die technische Sicherheit, ein Mangel an marktfähigen Lösungen sowie ein fehlender Austausch mit anderen Unternehmen.
Interne Faktoren bremsen Digitalisierung
Auch unternehmensinterne Faktoren spielen eine Rolle. 66 Prozent nennen fehlende Zeit als Hindernis für Digitalisierungsprojekte. 48 Prozent verweisen auf fehlende finanzielle Mittel, 40 Prozent auf langwierige Entscheidungsprozesse, 37 Prozent auf eine geringe Risikobereitschaft und 26 Prozent auf mangelndes Wissen über bewährte Praxislösungen. Eine geringe Digitalisierungsbereitschaft der Belegschaft sowie Unsicherheiten über den wirtschaftlichen Nutzen spielen dagegen eine vergleichsweise geringere Rolle.
Quelle: Bitkom Pressemitteilung

